Ich lebe polyamor

Ich lebe nun seit über einem halben Jahr polyamor. In dieser Blogreihe möchte ich über meine Erfahrungen mit dieser Beziehungsform berichten. Es soll um unterschiedliche Arten der Liebe, um Eifersucht, Abmachungen, Wünsche, Träume, Ängste und schließlich auch darum gehen, was das alles mit Wirtschaftsphilosophie zu tun hat.
Aber beginnen wir am besten am Anfang.

Das Symbol für Polyamorie: Ein Herz und ein Unendlichkeitszeichen kombiniert

Wie ich zur Polyamorie kam

Meine letzte Beziehung war streng monogam. Für fünf Jahre hatte ich mich exklusiv an eine Frau gebunden. Es war eine wunderbare Zeit, mit allen Auf und Abs, die eine solche Beziehungsform bieten kann. Als es zu Ende war, wollte ich jedoch nicht wieder so schnell monogam leben.

Ich entschied mich aktiv für ein Singleleben. Es war kein klassisches Singleleben, denn ich bin kein Mann für One-Night-Stands. Für mich ist es wichtig, in engere Beziehung zu den Menschen zu gehen, mit denen ich mich intim vergnüge. Ich möchte sie kennenlernen und sie auf einer persönlichen Ebene treffen. Binden wollte ich mich damals jedoch auf keinen Fall, was ich immer versuchte, offen darzulegen. Diese Zeit war für mich sehr wichtig, denn ich lernte, alleine aber gleichzeitig nicht einsam zu sein. Gröberen Problemen ging ich aus dem Weg, was leider auch zu Situationen führte, auf die ich teilweise heute nicht mehr stolz bin.

Über Freunde kam ich in einen regelmäßigen Redekreis, in welchem es ausschließlich um die Themen Sexualität, Liebe und Partnerschaft ging. Dort kam ich zum ersten Mal mit dem Thema Polyamorie in Berührung. Mit größter Spannung las ich das Buch "The Ethical Slut", in welchem es um einen ethischen Umgang mit offener Liebe geht - ein Buch, das ich auch monoamor lebenden Menschen wärmstens empfehlen kann.
The Ethical Slut - ein Must Read!

Danach wusste ich: Das mit der Polyamorie möchte ich ausprobieren.

Dann lernte ich Maria kennen. Es war ein Glücksfall, dass von Anfang an eine monogame Beziehung für keinen von uns beiden in Frage kam. Zunächst wollten wir überhaupt nichts definieren. Als jedoch mehr Zeit verging wurde der Wunsch größer, Dinge beim Namen zu nennen und doch die eine oder andere Abmachung zu treffen. Seitdem lebe ich mit Maria in einer, wenn man es schon bezeichnen muss, polyamoren Beziehung. Wobei alleine das schon merkwürdig klingt. Denn was ist Polyamorie?

Was ist Polyamorie?

Dass Polyamorie schon ein etwas ungewöhnlicher Begriff ist zeigt der Umstand, dass die Wortkreation aus einem altgriechischen Wort - polýs - und einem lateinschen - amor - zusammengesetzt wurde. Ob aus Unachtsamkeit so definiert oder nicht, das Wort steht stellvertretend für eine ungewohnte Liebesform.

Wir werden in unserer Welt normalerweise von früh an in Richtung Monogamie oder, streng genommen Monoamorie sozialisiert. Hollywoodfilme zeigen uns, wie Liebe auszusehen hat. Es gibt nur Einen und der ist der Richtige und man muss ihn nur finden und dann glücklich bis zum Lebensende mit ihm zusammen sein. Am besten auch noch heiraten.

Polyamorie ist zunächst für einen so erzogenen Menschen ein erstaunliches Phänomen. Für mich ist Polyamorie ein Lernfeld. Folgende Erkenntnisse kamen mir unter anderem:
  • Polyamorie steht für die Erkenntnis, dass man mehrere Personen gleichzeitig lieben kann. 
  • Polyamorie steht für eine offene und ehrliche Liebesform
  • Polyamorie heißt, dass man miteinander kommuniziert. Viel kommuniziert!
  • Polyamorie ist die Einstellung, dass mir meine Partner und ihre Gefühle nicht gehören

In unserer von Monoamorie fast duchgehend bestimmten Welt scheint es nur eine Skala zu geben: Entweder man ist fix in einer Zweierbeziehung oder man ist single (und auf der Suche nach einer Zweierbeziehung). Polyamorie hat mir erst die hunderten anderen Möglichkeiten gezeigt. So besteht ein Unterschied zwischen Polyamorie und offener Beziehung. Genau gibt es einen Unterschied zwischen Polyamorie und Polygamie.

Was Erich Fromm schon gut beschrieb: Wir sind in unserer Welt auf die Haben-Denkweise geprägt. "Ich HABE einen Freund/eine Freundin", "Das ist MEINE Freundin/MEIN Freund", usw. Das Eigentumsdenken, das den Kapitalismus definiert, hat sich auch in unsere Beziehungen eingeschlichen. Polyamorie will damit aufhören und wieder vom Haben zum Sein gehen.

Für manche ist Polyamorie mehr als nur eine Lebensweise, für die man sich entscheiden kann. Manche sehen sie als sexuelle Orientierung in die man hinein geboren wird. Andere sehen Polyamorie als politischen Akt für mehr Selbstbestimmung und Emanzipation. Ich sehe es schon so, dass man sich für Polyamorie entscheiden kann. Man kann wählen, ob man sich für eine offene Lebens- und Liebesweise entscheidet oder nicht. Polyamorie ist für mich aber mehr als nur eine Handlungsart. Es ist auch eine Einstellung, eine Lebensphilosophie, wenn man so will.
 
Was ich nicht sagen möchte ist, dass Monoamorie oder Monogamie schlecht sind. Auch möchte ich niemandem vorschreiben, wie er oder sie zu lieben hat. Ich habe mich zur Zeit aktiv dafür entschieden, polyamor zu leben. Dies ist mein momentaner Status und es kann natürlich sein, dass sich dieser wieder ändert. Aus Erfahrung wird man klüger.

Polyamorie ist eine Reise

Das Thema Polyamorie stellt für mich eine Reise dar, die einen an die spannendsten Orte bringen kann. Es geht um Selbsterkenntnis, Lernfelder, intensive Gespräche, spirituelle Erfahrungen und, ja, vielleicht auch um einen politischen Akt. Maria und ich befinden uns auf einem Segelboot, dass uns in eine unbekannte Welt führt. Beide geben die Richtung und Geschwindigkeit an. Ab und zu ist es auch gut, von der hohen See zurück in den Hafen zu kommen, um aufzutanken. Dann wollen wir uns aber bald wieder in die Freiheit hinaus wagen und neue Länder erkunden.

Über meine Erfahrungen aus einem halben Jahr Polyamorie möchte ich in folgenden Blogeinträgen weiter berichten!

Warum uns die Arbeit nicht ausgehen wird

Eine Definition von Arbeit

Immanuel Kant gibt in seiner Metaphysik der Sitten eine interessante Definition von Geld. Geld sei „[…] das allgemeine Mittel, den Fleiß der Menschen gegeneinander zu verkehren[…]“[1]

Interessant ist diese Definition deshalb, weil Kant das Augenmerk auf den menschlichen Fleiß legt. Die meisten von uns kennen dies aus dem Alltag nur zu gut: Wir müssen arbeiten, um Geld zu bekommen. Wir müssen fleißig sein. Umgekehrt können wir uns mit dem Geld den Fleiß anderer Menschen zukommen lassen. Auch, wenn wir Waren kaufen, so kaufen wir den Fleiß anderer. Denn es war aufwendig, das Produkt herzustellen, sei es, die Fabrik aufzubauen, sei es, überhaupt die Idee der Ware zu haben, sei es, den Produktionsprozess zu entwickeln, oder sei es auch nur, Risiken einzugehen, die andere nicht eingehen wollen. Die größten Ausgaben der meisten Unternehmen sind die Personalkosten, das heißt die Kosten für den Fleiß der darin arbeitenden Menschen. Somit lässt sich zusammenfassend gut sagen: Der Wert von Geld kommt auch daher, weil man sich den Fleiß anderer aneignen kann.

Natürlich gibt es nicht zu vernachlässigende Ausnahmen dieses Prinzips. Manche können Geld erlangen, ohne fleißig zu sein. Sei es einerseits Menschen, die durch staatlich sanktionierte Umverteilungsmaßnahmen auch ohne Arbeit zu Geld kommen. Sei es andererseits Menschen, die wiederum durch staatlich durchgesetzte Eigentumsgrenzen, wie Grundstücksgrenzen, ohne Arbeit zu Geld kommen. Man denke nur an Mieteinnahmen die teilweise nur dadurch möglich sind, dass Wohnraum durch staatliche Regeln wie Bauvorschriften oder Grundstückswidmungen knapp gehalten wird. Weiters heißt Fleiß nicht unbedingt gleich Einkommen, wovon viele allein erziehende Mütter oder Väter ihr leidiges Lied singen können.

Aber bleiben wir einstweilen bei der Grundannahme, dass man mit Geld den Fleiß der Menschen austauscht.

Knappheit und Geld

Wie verhält es sich nun, wenn für manche Dinge menschlicher Fleiß nicht mehr notwendig ist? Dann verliert das Geld seine Macht über diese Dinge. Wenn es nicht aufwendig ist, etwas zu erschaffen, so wird man nichts dafür zahlen müssen. Ein Blatt Papier mit einem Strich darauf ist beispielsweise für fast jedermann selber herstellbar. Wir würden niemanden dafür bezahlen, das für uns zu machen. Brauche ich jedoch auf einmal tausend Blatt Papier mit einem Strich darauf, so ist dafür so viel Fleiß nötig, dass ich eventuell jemanden bezahle. Sauerstoff wird uns noch von den Ökosystemen im Überfluss zur Verfügung gestellt. Daher muss man für das Atmen nicht bezahlen. Das heißt umgekehrt: Möchte ich Geld verdienen, muss ich zumeist für andere fleißig sein.

In anderen Worten ausgedrückt: Was nicht knapp ist, ist nichts wert. Mit Dingen des Überflusses kann man kein Geld verdienen.

Technologischer Fortschritt befreit uns nun von Tätigkeiten. Dinge, die früher in der Herstellung sehr aufwendig waren, können heute durch Maschinen sehr schnell, einfach und in großer Stückzahl produziert werden. Somit ist für viele Dinge heutzutage nicht mehr so viel menschlicher Fleiß nötig. Braucht man weniger Menschen in der Herstellung, sinken die Personalkosten und damit potenziell die Verkaufspreise. Daher sind diese Dinge auch sehr billig geworden. Dies führt wiederum dazu, dass sich mehr Menschen mehr Dinge leisten können.

Das bedeutet jedoch, dass man Einkommen nur durch knappe Tätigkeiten erzielen kann. Um einen Arbeitsplatz zu haben muss man eine Tätigkeit suchen, die Fleiß erfordert.

Arbeit kann uns also so lange nicht ausgehen, wie es knappe Dinge, also Dinge gibt, für die es menschliche Arbeitskraft braucht. Umgekehrt sind Dinge, für die es keine menschliche Arbeitskraft braucht, in den meisten Fällen nicht knapp. Es gibt also einen Zusammenhang zwischen Knappheit, Fleiß, Einkommen und Geld, welcher sich über die Preise ausdrückt.

Wie verhält es sich mit dem BGE?

Nun werden international Stimmen für das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) laut, begründet durch den technologischen Fortschritt. Das Argument lautet, dass die Maschinen uns bald die gesamte Arbeit abnehmen und wir daher ein BGE brauchen. Diesen Denkansatz habe ich schon an anderen Stellen kritisiert.

Nach obigen Ausführungen kann davon ausgegangen werden, dass uns die bezahlte Arbeit eigentlich nicht ausgehen kann. Zwar werden einzelne Stellen oder gar ganze Branchen durch Maschinisierung ersetzt, das ist klar. Genau so, wie der Kämmler https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%A4mmler, Donkeyman https://de.wikipedia.org/wiki/Donkeyman oder Draufschläger https://de.wikipedia.org/wiki/Draufschl%C3%A4ger ausgestorben sind und eigentlich niemand diese Berufe vermisst.

Arbeit wird nicht ausgehen

Aber dass sämtliche Knappheit im obigen Sinne aufhört zu existieren, ist unwahrscheinlich. Selbst wenn sämtliche Hand- und Kopfarbeiten schon von Maschinen und Computern erledigt werden können, so wird es zwischenmenschliche Tätigkeiten geben, die nicht von Robotern durchführbar sind. Solange es auch nur die eine oder andere zwischenmenschliche Tätigkeit gibt, die menschlichen Fleiß erfordert, auch wenn es „nur“ ein gutes Zuhören ist, so lange wird es auch bezahlte Jobs geben. Wenn man eine Tätigkeit findet, die andere brauchen und nicht selber ausführen können oder wollen, so wird man in den meisten Fällen auch ein Einkommen dafür finden werden. Und das unabhängig von möglicher Maschinisierung.


[1] Zitiert aus: Asmuth, Christoph; Nonnenmacher, Burkhard; Schneidereit, Nele [Hrsg.]: Texte zur Theorie des Geldes. Philipp reclam jun. GmbH & Co. KG. Stuttgart: 2016. Reclams Universal-Bibliothek Nr.19370. S.77.

Augur – ein Exkurs in wirtschaftswissenschaftliche Erkenntnistheorie


Eine neue digitale Innovation erblickt das Kryptogeld-Firmament: Augur. Es ist dies eine Art Spekulationswährung, die auf der Technologie beruht, welche ursprünglich über Bitcoin populär gemacht wurde, nämlich der Blockchain. Auf der Seite von Augur heißt es:
„Welcome to the future of forecasting“



Augur verspricht viel. Der Einsatz soll nämlich zu genauen Vorhersagen führen. Dafür soll die Weisheit der Massen angezapft werden. Um das zu tun kann man auf das Eintreffen von bestimmten Ausgängen unsicherer zukünftiger Ereignisse wetten.


Auf Wikipedia heißt es dazu:

„The Augur project seeks to leverage the open, global, peer-to-peer ledger functionality that blockchain technology provides, as well as game theory and financial incentives, to better explore the concept of the wisdom of crowds (also known as collective intelligence) and try to get more accurate predictions about future events.“

Es soll also mit Hilfe von Schwarmintelligenz, finanziellen Anreizen und der Bitcoin-Technologie eine genauere Vorhersagbarkeit von Ereignissen ermöglicht werden. Es wird um Geld gewettet. Wenn man korrekt wettet, so wird man belohnt. Tippt man falsch, so wird man bestraft und verliert Geld. Durch dieses System wollen die Entwickler von Augur korrekte Vorhersagen durch Marktmechanismen hervorbringen.


Dieses Video erklärt den Mechanismus:




Dies hört sich zu gut an, um wahr zu sein. Und ist es wahrscheinlich auch.


Denn das Prinzip ist das folgende. Nehmen wir als Beispiel eine Bundespräsidentschaftswahl, zu der zwei Personen antreten.


Jeder könnte eine Wette erstellen, zum Beispiel: Wird es Kandidat A oder wird es Kandidat B?


Nun können die Marktteilnehmer ihre Wetten dadurch abschließen, dass sie entweder A-Teile kaufen oder B-Teile. Je mehr Menschen auf A setzen, desto teurer wird Antwortmöglichkeit A werden. Angenommen, 64% glauben, dass A Präsident werden wird. Dieses wird den Preis von A-Anteilen in die Höhe steigen lassen und den Preis von B-Anteilen fallen lassen. Tritt tatsächlich Fall A ein, so hat man den A-Anteil eventuell bei 64 Cent gekauft. Man bekommt jedoch 1 Euro zurück, da das Geld der Verlierer (36 Cent) umverteilt wird auf die Gewinner.


Angenommen, alle glauben dass Kandidat A Präsident wird. Dann wird der Kurs der A-Anteile so hoch steigen, dass man im Falle des Gewinns von A genau so viel gewinnt, wie man bezahlt hat.


Die genaue Vorhersagbarkeit soll daher kommen, dass einerseits sehr viele Marktteilnehmer richtiger liegen sollen als nur einer (Weisheit der Massen). Andererseits soll durch den finanziellen Anreiz sichergestellt werden, dass die Leute ihr Geld in die wahrscheinlichere Möglichkeit geben.
„Put your money where your mouth is“ 
– wie man im Englischen sagt.

Warum ich glaube, dass Augur nicht funktioniert?


Ich glaube jedoch, dass dieses Prinzip zum Scheitern verurteilt ist. Und zwar nicht nur, weil ich die Argumente gegen die Schwarmintelligenz teile, die hier gut zusammengefasst sind.


Um meine Kritik zu verstehen, wollen wir einen Exkurs in wirtschaftswissenschaftliche Erkenntnistheorie unternehmen.


Wirtschaftswissenschaften sind Sozialwissenschaften. Wenn wir Wirtschaftswissenschaften betreiben, so untersuchen wir menschliches Zusammenleben, also kurz gesagt, uns selber. Jede wirtschaftswissenschaftliche Aussage ist eine Aussage über Menschen und damit über uns. Und genauso, wie jede Nachricht mehrere Seiten hat (Sachebene, Appellseite, Beziehungsseite und Selbstkundgabe nach Schulz von Thun), so offenbart jede wirtschaftswissenschaftliche Aussage auch viel über denjenigen, der sie tätigt.


Des Weiteren sind die Ergebnisse der Wirtschaftswissenschaften rückbezüglich. Die Resultate der Forschung wirken wieder in die Köpfe der Menschen zurück und beeinflussen das Handeln. Selbsterfüllende oder selbstaufhebende Prophezeiungen sind an der Tagesordnung. Die vorhergesagte Krise kommt meist nicht. StudentInnen der Wirtschaftswissenschaften agieren nach dem Studium tendenziell egoistischer als davor, weil die Theorie des Homo oeconomicus, welcher auf seinen Vorteil achtet, gelehrt wurde.
Beschreibung wird zur Handlungsanweisung, aus dem Sein das Sollen geschlossen.


Um es auf das Thema Augur herunter zu brechen kann man auch auf eine Beschreibung von Keynes zurückgreifen. Keynes beschreibt ein Experiment eines Schönheitswettbewerbes, bei dem es nicht nur auf die Schönheit der Kandidaten ankommt, sondern auch auf die Frage, wen alle anderen schön finden.


„Das Modell erhielt seinen Namen in Anlehnung an frühere mit Schönheitswettbewerben verknüpfte Preisausschreiben in amerikanischen Zeitungen. Der Gewinn wurde bei diesen Preisausschreiben unter den Teilnehmern verlost, die unter den zur Wahl stehenden Fotos das ausgewählt hatten, das auch von den meisten anderen als das schönste ausgewählt worden war.“

Erinnert ein wenig an Augur, oder?




Das Problem ist nämlich bei Augur genau dieses: Dass man irgendwann einmal nicht mehr auf den Ausgang des Ereignisses wettet sondern nur darauf, was alle anderen wetten. Und nicht momentan wetten, sondern wetten werden. Ich gewinne bei Augur mehr Geld, wenn ich nicht auf das tatsächliche Ereignis wette sondern darauf, dass ich vorhersagen kann, was alle anderen wetten werden. Problematisch ist, dass dies auch die anderen Marktteilnehmer machen. So rückt das tatsächliche Vorhersageproblem in den Hintergrund und es wichtiger, das Verhalten anderer zu erahnen. Und zu erahnen, was sie über einen selber erahnen. Gerade diese Rückbezüglichkeit ist das Problem vieler Blasenbildungen an den Märkten.


Das Problem von Augur ist damit das gleiche wie in den Wirtschaftswissenschaften. Dass Theorien über die Menschen auch von Menschen gelesen werden können und damit wieder ihr Verhalten beeinflussen können, was wiederum die Beobachtung der Wirtschaftswissenschaften verändert. Oder bei Augur: Dass die Prognose darüber, was die anderen Menschen kaufen werden, mein Verhalten verändert, was wiederum die Prognosen der anderen verändern kann und damit wiederum ihr Kaufverhalten. Von diesem Kaufverhalten erschließen sich dann mir wiederum andere Prognosen. Und so weiter.


An diesem erkenntnistheoretischen Zirkel scheitert das reale Prognoseverhalten der Teilnehmer von Augur.


Und wäre das nicht genug, so gibt es ein weiteres Problem. Das Prinzip von Augur lebt eigentlich davon, dass sich die Masse nicht einig ist. Wenn sich alle einig sind, dass ein gewisses Ereignis eintritt, so gibt es nichts zu verdienen. Augur ist auch Spekulationsware. Es gibt Anreize, gegen die Masse zu wetten. Selbst wenn der Großteil der Wettteilnehmer nur auf das zukünftige Ergebnis schaut und nicht auf die anderen Marktteilnehmer, so ist es interessant, gegen die Masse zu wetten, da die Gewinnchancen steigen. Alleine dies hebt die Vorhersagegenauigkeit für das tatsächliche Eintreten teilweise auf. Und dadurch, dass das viele Marktteilnehmer wissen, fließt dieses Wissen genau so in die Marktpreise und damit in die Vorhersagen ein. (Ob dies wiederum für die Wirtschaftswissenschaften gilt, habe ich noch nicht durchgedacht, aber vermutlich trifft es auch zu: Wirtschaftswissenschafter, die Prognosen erstellen, die gegen den Mainstream sind, werden nachher umso höher gefeiert, wenn ihre Prognose tatsächlich eintritt, siehe bspw. Max Otte)


Fazit:



Augur hört sich schön an. Wer möchte nicht genauerer Prognosen in dieser unsicheren Welt? Auch die Herangehensweise ist eine interessante. Die Entwicklung der Blockchaintechnologie lässt Innovationen wie diese entstehen, die tatsächlich Potenzial haben, die Welt zu verändern. Die Kombination von Schwarmintelligenz, Blockchain, Prognosetool und Spekulationstool ist eine mutige. Ob sie tatsächlich für bessere Prognosen taugt, wird sich zeigen.
Ich zweifle daran.

Ökonomie als die Lehre vom einfachen Leben

Ein entscheidender Aspekt von ökonomischen Handeln - mit minimalen Mitteln Maximales erreichen - ist das Vereinfachen.

Dinge weglassen, Wege kurz halten, Prozesse standardisieren und damit Überflüssiges reduzieren - all dies sind Schritte ökonomischen Tuns.

Nun kann man das gesellschaftlich anwenden: Man kann Transportwege wie Straßen verbessern und damit Verkehre vereinfachen, also es erreichen, dass man Güter und Menschen leichter von A nach B bringen kann.

Man kann es auch betriebswirtschaftlich sehen: Mittels Lean Management kann man seine Produktionsprozesse verbessern.

Auch im persönlichen Bereich ist viel möglich. "Simplify your life" ist das Schlagwort.

Womit wir auch beim Denken selbst angelangt wären.

Man kann ungeheuer kompliziert denken. Das menschliche Gehirn kann fantastische Welten erschaffen - das ist seine Stärke. Das ist aber auch seine Schwäche. Denn komplex heißt nicht automatisch glücklich!

Auf diesem Gebiet ist meine 90 jährige Großmutter ein persönliches Vorbild. Sie überrascht mit einfachen Aussagen: "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß". Oder auf die Frage nach Gott gibt sie erstaunlich agnostische Antworten: "Ich weiß nicht, ob er existiert, und es ist mir auch egal."

Gerade in diesem einfachen Denken liegt eine überzeugende Chance zum Glück. Man muss Dinge nicht verkomplizieren, nur weil man kann. Man muss nicht die komplexeste Theorie zur Erklärung der Welt heranziehen - Wilhelm von Ockham lässt grüßen! "Small is beautiful" - könnte man fast buddhistisch sagen!

Oft führen einen die komplexen, tiefen Gedanken an Orte, die einen nur noch trübselig auf die Welt blicken lassen. Dann gilt es, wieder an die Oberfläche zu kommen und sich der Leichtigkeit und Einfachheit zu erfreuen.

Wenn sich Gedanken immer weiter spinnen, wenn ich immer tiefer in die Reflexion und die Reflexion der Reflexion rutsche, dann führt das oft zu nichts als Unmut und schlussendlich vielleicht sogar zur Verzweiflung. Da hilft oft nur eines: Wieder einfacher zu denken, kürzer zu denken, simpler zu denken. Gedanken wegzulassen und einfach aufzuhören. Wieder an die Oberfläche zu gelangen und Luft zu holen.

Somit - und das mag eine erstaunliche Erkenntnis sein - können uns die Lehren der Ökonomie helfen, ein einfachereres und ja - eventuell gerade dadurch glücklicheres Leben zu führen!

Aktiviere deine Crowd! Crowdfunding-Anfängerstrategien und Erfahrungen.

Ich habe vor einigen Tagen mein erstes Crowdfunding gestartet. Hier möchte ich euch meine ersten Lernerfahrungen diesbezüglich mitteilen! Ich beschreibe, welche Plattform ich warum gewählt habe. Weiters beschreibe ich, wie man das Fundingziel und die Fundingzeit festlegt. Welche Kanäle ich zum Verbreiten meiner Kampagne genutzt habe, seht ihr unten!
Ach ja, und meine Kampagne selber findet ihr hier: https://www.startnext.com/seabirdvlog

https://www.startnext.com/seabirdvlog


Wahl der Plattform

Es gibt unzählige Crowdfunding-Plattformen da draußen. Ich habe startnext für meine Kampagne gewählt. Warum habe ich diese gewählt? Ein Grund war sicherlich, dass andere Plattformen meist 10% der finanzierten Summe bekommen. Startnext finanziert sich nur über freiwillige Beiträge der Funder! Das war mir gleich sympathisch.

Wusstest du, dass Startnext sich über eine freiwillige Provision von unserer Community finanziert? Dein Beitrag ermöglicht unsere tägliche Arbeit - ohne deine Unterstützung kann es Startnext nicht geben. Vielen Dank! - startnext
Weiters wurde mir die Plattform von einem Freund empfohlen, der schon erfolgreich sein neues Album finanziert hatte. Und er hatte Recht: Startnext ist übersichtlich und intuitiv zu bedienen! Über die Konkurrenzplattformen kann ich leider nichts sagen, weil ich sie noch nicht ausprobiert habe...

Crowd schon vorher einbinden.

Eine der Grundregeln des Crowdfundings lautet:
Du musst deine Crowd aktivieren!
Daher habe ich in meinem Vlog schon lange im Vorhinein angekündigt, dass bald mein Crowdfunding starten würde:


 
Man sagt, dass man ungefähr ein Monat Vorbereitungszeit für die eigene Kampagne aufwenden sollte. Meiner Erfahrung nach ist das nicht zu lange, sondern eher zu kurz gewählt. Besser schon im Vorhinein die Strategien festlegen, denn während der Kampagne vergeht die Zeit wie im Flug!

Wahl des Zeitrahmens

Die meisten Seiten empfehlen einen Fundingzeitrahmen von 30 Tagen. Ich habe diesen Zeitrahmen auch gewält. Insbesondere, nachdem ich auf einer Veranstaltung von startnext selber viele Tipps bekommen hatte:



Höhe des Fundingziels

Ich bin die Strategie gefahren, mein Fundingziel sehr niedrig anzusetzen. Denn schließlich gilt das Alles-oder-Nichts Prinzip. Entweder, man erreicht die Summe und man bekommt alles, oder man erreicht sie nicht und man bekommt nichts. Daher lieber niedriger ansetzen und erreichen! Gleichzeitig habe ich im Vorhinein klar gemacht, was bei einem Überfunding mit dem Geld passiert. Zum Glück war mein Fundingziel leicht skalierbar. Ich habe mein Mindestziel dahingehend festgelegt , dass mein Projekt mit weniger Geld gar nicht umsetzbar gewesen wäre. Mehr Geld kann man dann immer noch gut einsetzen.

Verschiedene Kanäle nutzen

Während und auch schon vor meiner Kampagne nutzte ich verschiedenste Kanäle, um Aufmerksamkeit zu generieren:

Video

Ich glaube, dass Video das Medium der Zukunft ist. 
Daher setzte ich bei meiner Kampagne sehr auf Videos. Ich produzierte eines, in welchem ich den Leuten erklärte, wie man selber fundet. In einem erzählte ich darüber, was beim overfunding meiner Kampagne passiert. Eine Liste meiner Videos findet man hier.
Im Idealfall wollte ich Videos produzieren, die auch einen Mehrwert für den Zuseher enthielten und nicht nur ein Aufruf zum Funden waren.

Facebook

Da Facebook momentan die Social-Media Plattform Nummer Eins ist, konzentrierte ich meine Aktivität auf dieses Plattform. Ich teilte meine Videos über meine Facebook-Seite und über mein persönliches Profil. Und ich lud ein Video auch direkt auf Facebook hoch, weil die Algorithmen der Plattform so eingestellt sind, dass eigene Videos mehr Verbreitung finden als die der Konkurrenz Youtube:


Ich postete auch ohne Link, weil solche Posts teilweise auch weiter verbreitet werden von Facebook. Ich lud Freunde ein, meine Videos weiter zu teilen
Der nächste Schachzug wird sein, eine Veranstaltung zu erstellen mit dem Enddatum meiner Kampagne, damit meine Freunde sehen: Aha, die Kampagne ist bald vorbei, ich muss noch rechtzeitig einzahlen!


Blog

Schließlich nutzte ich diesen Blog, um indirekt auf meine Kampagne aufmerksam zu machen und gleichzeitig Content zu produzieren, der sich für dich, liebe Leserin und lieber Leser, auch noch im Nachhinein als wertvoll herausstellen könnte.

Twitter

Wichtige Zitate dieses Blogposts, verbunden mit dem Link hierher werde ich auf Twitter über meinen Account The Seabird Vlog und Patrick Seabird teilen. Und ab und zu die Links zu den Videos und zu meiner Kampagne. 



Viel Danke sagen

Es ist nicht selbstverständlich, dass Menschen beim Crowdfunding mit machen. Es gehört eine Portion Mut und Vertrauen dazu, anderen Menschen einfach so Geld zu überlassen und zu hoffen, dass diese es für den dafür vorgesehenen Zweck auch einsetzen. Daher gehört es einfach dazu, dass man sich viel bedankt. Ich danke hiermit meinen Fundern und allen, die meine Kampagne unterstützt haben!
Bei jeder Kampagne werden auch Dankeschöns angeboten. Ich habe die Dankeschöns so gewählt, dass sie nicht allzu großen Aufwand nachher verursachen und im Idealfall sogar dann Content für meinen Vlog liefern. 

Crowdfunding - ein Abenteuer

Crowdfunding ist ein Abenteuer. Man weiß im Vorhinein nicht, ob die Kampagne in irgend einer Art erfolgreich sein wird. Aber im schlimmsten Fall hat man Werbung für sich und seine Projekte gemacht und kann natürlich immer eine neue Kampagne starten. 
Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels habe ich bereits 70% meines Fundingzieles erreicht. Ich bin gespannt, wie die Kampagne ausgehen wird und wünsche dir, liebe Leserin und lieber Leser, viel Glück bei deinen Kampagnen!

Der Preis schlägt alles

Um mich für mein Seminar, welches ich auf der Uni Graz gebe, vorzubereiten, plane ich einen Kurztrip dort hin. Die Seite der ÖBB wurde neu gestaltet, leider sehr zu ihrem Nachteil ("Warum öffnet sich da immer ein neues Fenster?"). Der Preis für eine Fahrt nach Graz ist nach einigen Ärgernissen doch gefunden: 37,30 Euro ohne Vorteilscard. Ich bin schon am Überlegen, Autozustoppen, bis mir eine Freundin den Bus empfiehlt.
"Fahr doch mit dem Bus!".

Flixbus ist schnell gefunden. Die Seite übersichtlich, die Buchung online einfach. Sofort das Ticket als pdf zugesandt. Der Preis: 9,- Euro.

Ein Tag vor der Abfahrt kommt noch ein Erinnerungsmail, inklusive Karte, von wo der Bus weg fährt. Ich steige in den Bus ein, freie Platzwahl, erste Reihe, gute Aussicht! Steckdose vorhanden. Auch W-Lan gibt es, ich kann diesen Blogeintrag direkt aus dem Bus verfassen.



Der Service ist besser als mit der Bahn und es ist gleichzeitig billiger. Mir wird klar:
Die größte Konkurrenz der Bahn ist nicht die Bahn selber, sondern die anderen Verkehrsmittel! 
Die ÖBB mag vielleicht glauben, sie sei Monopolist, aber leider stimmt das nicht. Andere Verkehrsmittel wie der Bus können bequemer, schneller und gleichzeitig billiger sein. Gut für mich.

Doch es kommen Zweifel auf:
Das Problem ist natürlich der ökologische Fußabdruck. Was ist mit der Nachhaltigkeit?! So eine Busfahrt stößt doch wahnsinnig viel CO2 aus!
Das Problem ist, dass der Preis alle anderen Bedenken schlägt: Ich könnte mich entscheiden, die Bahn einmal zu verwenden oder den Bus sieben Mal. Bei mir hat der Preis gesiegt, die Entscheidung für eine nachhaltige Zukunft versagt. Qualität wurde durch Quantität geschlagen.

Und dies ist das Problem und gleichzeitig die Herausforderung unserer gesamten heutigen Welt: Preise zahlen wir an Menschen und nicht an die Natur. Ein lebenswerter Planet kommt in unserer zwischenmenschlichen Preisbildung nicht vor. Angebot und Nachfrage zeigen zwischenmenschliche Knappheiten an und nicht absolute.
Für mich persönlich ist es sieben Mal besser, den Bus zu nehmen. Aber irgendwo auf der anderen Seite der Welt geht gerade eine Insel im Meer deswegen unter und eine Tierart stirbt aus - the tragedy of the commons oder auch Rationalitätenfalle at its best.
Der Preis schlägt leider oft alles andere, was es für ökologischere oder sozial verträglichere Unternehmen sehr schwer macht.

Doch Moment! Ist der Bus tatsächlich weniger nachhaltig als die Bahn? Flixbus bietet an, dass man bei der Buchung einen "Klimaschutzbeitrag" leistet. Man kann für ein paar Cent mehr seinen Beitrag leisten, dass die schmutzige Busfahrt durch ein Klimaprojekt kompensiert wird. Um die 1 bis 3 % des Ticketpreises kann man laut Flixbus also doch klimaneutral fahren. Puh, das Gewissen kann beruhigt sein.

Sicher?!

Denn was passiert mit dem Geld? Geld zahlen wir an Menschen und nicht an die Umwelt. Laut Flixbus werden damit Windräder in der Karibik gebaut.
Ist das wirklich klimaneutral? Ich setze mich in Österreich in den Bus und stoße CO2 aus. Durch aufwendige CO2-ausstoßende Prozesse werden Windräder gebaut um CO2-ausstoßend auf eine Insel transportiert zu werden, die danach mehr Energie verbrauchen kann als sie zuvor brauchte?!



Nun gut, das müsste man sich auch bei der Bahn fragen: Wieviel CO2 und andere Treibhausgase stößt die Produktion der Schienen, Lokomotiven, selbst der Bau der nachhaltigen Kraftwerke der ÖBB usw. aus?!

Der Zertifikatehandel, wie auf Flixbus' Seite angekündigt, ist sicherlich nicht die Lösung für dieses Problem.

Die Lösung sehe ich eigentlich in einem Sprung nach vorne. Wir müssen unsere Produktion komplett auf Cradle-to-Cradle umstellen und unsere Energieversorgung auf nachhaltig, also Wind, Sonne und Erdwärme. Dahingehend ist der Bau von Windrädern, wie Flixbus es bewirbt, natürlich die richtige Richtung.Unsere Supply-Chains der Zukunft müssen nachhaltig bewirtschaftet werden!

Aber bis dahin ist es ein langer Weg. Bis dahin bleibt vermutlich nur die Suffizienz.

Also das nächste Mal doch Autostoppen?!

Das Gegenteil von Geben...

Im deutschen Sprachalltag hört man oft die Redewendung "Geben und Nehmen". Wir nehmen es als selbstverständlich, dass dies ein Gegensatzpaar ist. Nichts könnte falscher sein.

Denn wenn eine Person gibt, so nimmt die andere Person streng genommen nicht. Sie empfängt. Das mag als i-Tüpfelchenreiterei daherkommen, aber der Unterschied ist wichtig. Es ist ein Unterschied, ob ich etwas von jemandem nehme, oder ob ich etwas von dieser Person empfange, bekomme. Der Unterschied liegt in der Freiwilligkeit. Geben ist ein freiwilliger Akt. Etwas annehmen, etwas empfangen, ist ebenso freiwillig.

Wenn ich jedoch von jemandem etwas nehme, so wird dieser Person etwas genommen. Das Gegenteil wäre eigentlich beraubt oder enteignet werden.

Also wäre eigentlich richtig:
  • Geben <-> Empfangen und 
  • Nehmen <-> Enteignet werden.

Wieso ist dieser Unterschied wichtig?

Nehmen wir die Diskussion zwischen der Idee der Schenkökonomie (SÖ) und des Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE). Beide sind sich in vielen Dingen ähnlich. Bei der SÖ haben wir jedoch Geben und Empfangen: Keine kann gezwungen werden, etwas herzuschenken. Beim BGE haben wir das Gegensatzpaar Nehmen und enteignet werden. Denn das BGE ist über Steuern finanziert und Steuern muss man zahlen, ob man will oder nicht. Es wird über einen Mehrheitsentscheid beschlossen, dass man sich von einer Menschengruppe etwas nimmt.

Somit trägt die Klärung dieser Begriffe zur Klärung der Unterscheidung zwischen SÖ und BGE bei und kann sicherlich in anderen Diskussionen auch fruchtbar sein!

Geld und Gier - Teil 7



Lösungsvorschläge

Nun haben wir uns einige Problemfelder der Geldgier angesehen. Was wären mögliche Lösungen hierfür? Wenn man die Gier nach Geld, wie viele Ökonomen das tun, nicht negativ sieht, so ergibt sich gar kein Problem und man muss auch nichts dagegen unternehmen. Akzeptiert man jedoch, dass die Geldgier problematisch sein kann, so kann man nach möglichen Lösungswegen suchen. Ausgehend von der obigen Problemanalyse könnte man folgende Vorschläge bringen:
1.       Angenommen, die Gier nach Geld folgt aus der allgemeinen Verwendbarkeit desselben. So könnte natürlich ein Lösungsvorschlag lauten, die Verwendbarkeit einzuschränken. Wenn ich nicht mehr alles kaufen kann, so wird Geld möglicherweise weniger attraktiv.
2.       Wenn die Geldgier mit Sucht verglichen werden kann, so kann man hier ähnliche Lösungsvorschläge präsentieren. Man kann Menschen eventuell auf Entzug schicken, wie auch immer dieser bei Geld aussehen könnte. Sucht ist nichts Schönes und man müsste diesen Menschen helfen.
3.       Man kann die Macht von Geld möglicherweise eingrenzen, indem man gegen die politische Verquickung von großem Geld und Politik entwirrt. Diese Maßnahme könnte durch mehr Transparenz der Zahlungsströme, insbesondere im Hinblick auf die Parteienfinanzierung erreicht werden.
4.       Auch massenpsychologisch könnte man Dinge verändern. Möglicherweise würde eine weniger patriarchalisch ausgerichtete Gesellschaft weniger Gier nach Geld beinhalten.
5.       Angenommen, die Gier steckt in den Genen: Es gibt Gruppierungen, die sogar Gentests für die Ausübung mancher Berufe wie Manager fordern.[1] Ob das ein ernstzunehmender Vorschlag sein soll, sei jedem jedoch selber überlassen.
6.       Wenn man schon die Gier selber nicht bekämpfen kann, könnte man zumindest die negativen Auswirkungen der Gier begrenzen:
a.       Rahmenbedingungen wie die von Christian Felber vorgeschlagene „Gemeinwohlökonomie“ könnten das Geld wieder vom Zweck zum Mittel werden lassen. Auch dem ewigen Wachstumswahn könnte man dadurch entgegenwirken.
b.      Spekulationsblasen könnten durch bessere Regulierung eventuell eingedämmt werden.
c.       Ungleiche Verteilung könnte durch eine andere Besteuerung verändert werden. Zum Beispiel könnte man Arbeit weniger hoch besteuern und Kapitaleinkommen höher. Die „größte Steuerreform der Zweiten Republik“[2] (Zitat Werner Faymann) zeigt jedoch, dass das politisch momentan eher unerwünscht ist.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Ursachen der Gier nach Geld und damit natürlich auch die Lösungsvorschläge noch nicht endgültig erforscht und ausgetüftelt sind und damit noch großen Raum für Forschungen übrig lässt. Gier nach Geld wird sich nicht von heute auf morgen verhindern lassen. In der Zwischenzeit bleibt uns auf jeden Fall noch die unterhaltsame Lektüre von Dagobert Ducks Abenteuern auf seiner Suche nach mehr Reichtum.


Diese Blogreihe versucht der Gier nach Geld auf die Spur zu kommen! Der sechste Teil ist hier zu finden! 


Geld und Gier - Teil 6



Spekulationsblasen

Wenn man über Geldgier spricht, so ist ein dankbares Thema die Spekulation an den Börsen. In keinem anderen Feld sieht man derart die Auswüchse einer Sucht nach Geld. Viele Spekulationsblasen sind bekannt: Angefangen von der Tulpenmanie zu Beginn des 17. Jahrhunderts bis zum Platzen der Dotcom-Blase im Jahre 2000.  Nehmen wir als Beispiel die Spekulationsblase der Gründerzeit, welche in den Gründerkrach und in die Gründerkrise führte, um die Auswirkungen der Geldgier an den Börsen zu verfolgen.
Im Jahre 1873 befand sich Wien in einer allgemeinen Euphorie. Neue Erfindungen schienen das Unmögliche plötzlich möglich zu machen. In die Wirtschaft wurde nur spärlich eingegriffen, das Prinzip des „Laissez-faire“, des allgemeinen Gewährenlassens ohne staatliche Eingriffe regierte. Die Börse in Wien stieg in immer höhere Höhen. Wie in jeder von der Gier getriebenen Blase versuchten die Menschen auf nur allen erdenklichen Wegen, zu Geld zu kommen, um an den Wertzuwächsen an der Börse profitieren zu können. Neue Finanzprodukte kamen auf, um die Spekulation immer mehr anzuheizen. So konnte man schon damals nur einen kleinen Teilbetrag („Margin“) hinterlegen, um Aktien zu erwerben und musste die restliche Summe erst später nachzahlen. Da irgendwann ja die Aktien gestiegen waren, konnte man alleine so den Restbetrag begleichen. Neue Kredite wurden oft sogar mit noch in der Zukunft zu erbauenden Häusern besichert. Da die Börsenkurse immer mehr stiegen, glaubte man, diese Kredite aus zukünftigen Erträgen leicht zurückzahlen zu können.
Auf die große Euphorie folgte der große Katzenjammer. Denn am 9. Mai 1873 kam es zum schwarzen Freitag, an welchem sämtliche Kurse auf einmal einbrachen. Die Blase war geplatzt und es kam zu einem Börsencrash, damals genannt Börsenkrach. Durch die allgemeine Verunsicherung wurden immer mehr Kredite zurückgerufen. Wegen der fehlenden Liquidität kollabierten mehrere Bankenhäuser, wodurch die Unsicherheit weiter stieg. Die Krise weitete sich schließlich weltweit aus. Unzählige Insolvenzen und Unternehmensbankrotte waren die Folge. Die Gründerkrise sollte daraufhin ganze 20 Jahre andauern. Die Arbeitslosigkeit stieg an, Firmen mussten schließen und menschliche Tragödien waren die Folge.[1] Die Verbindung von unendlicher Zukunftsgläubigkeit, deregulierten Finanzmärkten und durch die Verlockungen des schnellen Geldes ausgelöste Gier scheint bis heute eines der Kennzeichen von solchen Blasen zu sein, wie die jüngste Geschichte ebenso zeigen kann.

Verteilung

Die Gier nach Geld kann sich auch an der Verteilung ablesen lassen. Denn warum sollte man, wenn man schon genug hat, noch mehr bekommen wollen?
Wenn wir uns die Geldvermögen in Österreich ansehen, so gibt sich ein sehr verzerrtes Bild. Das Netto-Geldvermögen bezeichnet zwar sowohl die Einlagen bei Banken, als auch Wertpapiere und das Bargeld. Im Jahr 2011 waren jedoch alleine 43% des Geldvermögens Einlagen bei Banken, also großteils Geld, das man "auf der Bank liegen" hat. Zieht man vom Vermögen die Schulden ab, so kommt man zum Nettovermögen. Im Jahr 2011 besaßen die Privatpersonen in Österreich um die 500 Milliarden Euro an Vermögen, während die Schulden sich auf ungefähr 160 Milliarden beliefen. Die übrig bleibenden 340 Milliarden waren laut einer Studie der Österreichischen Nationalbank und der Arbeiterkammer folgendermaßen aufgeteilt:
·         0,1% der Bevölkerung besaßen 8% des Nettogeldvermögens.
·         0,9% besaßen 19%.
·         9% besaßen rund 28%.
·         40% konnten 38% ihr Eigentum nennen.
·         50% besaßen gerade einmal 6% des Nettovermögens.
Zusammenfassend: Ein Prozent der österreichischen Bevölkerung besitzen 27%, also fast ein Drittel des Geldvermögens. Zehn Prozent können schon 55%, also mehr als die Hälfte ihr eigen nennen. Die Hälfte aller Österreicher teilt sich bescheidene 6%.[2]
Natürlich besagt eine solche Verteilung per se nicht, dass Menschen gierig nach Geld sind. Man darf sich jedoch schon die berechtigte Frage stellen, ab wann ein Mensch genug hat. Ob das zusätzliche Streben nach Mehr, wenn man bereits über ein gewisses Vermögen hinaus geht, nicht doch als Gier gedeutet werden kann? Ist eine solche Ungleichverteilung nicht schon eine Manifestation der Gier nach Geld? 

Diese Blogreihe versucht der Gier nach Geld auf die Spur zu kommen! Der fünfte Teil ist hier zu finden! 


[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCnderkrach aufgerufen am 29.062015 um 16:05 Uhr.
[2] Finanzbildung: Banken. Drehscheibe der Wirschaft. Österreichisches Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum [Hrsg.], Wien: 2011.
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