Die Vorstellungen der Voluntaristen

Im Internet kann man mit vielen interessanten Menschen diskutieren. Zu den interessantesten gehören sicherlich die Libertären, Voluntaristen oder auch Anarchokapitalisten. Sicherlich gibt es geringfügig Unterschiede bei diesen Denkrichtungen. Aber ich möchte all diese hier subsummieren, da sie ähnliche Vorstellungen haben. In einem anderen Blogpost habe ich schon einmal beschrieben, was passiert, wenn man die anarchokapitalistische Idee zu Ende denkt.
Hier möchte ich noch auf ein paar Ansätze der Voluntaristen eingehen: Ein zentraler Punkt ist immer das Thema Freiheit. Schauen wir uns dazu einmal ein libertäres Propaganda-Video an:



Warum verwende ich das Wort „Propaganda“? Man muss sich nur, abseits der Musikwahl, die verwendeten Worte ansehen:

• „…von den Menschen und Industrien unterstützt…“;
• „…kooperieren…“;
• „…Zusammenarbeit und Kooperation von Millionen von Menschen…“;
• „…passt sich der Prozess reibungslos an…“;
• „Und die Beteiligten tun es freiwillig.“;
• „…gegen einen Lohn eintauschen können…“;
• „…freiwilliger, spontaner Kooperation…“

Man muss sich gleich die Frage stellen, was diese übermäßige Betonung von Freiwilligkeit soll? Warum sind die Libertären immer auf diesem Freiwilligen-Trip? Zu diesem Thema fällt mir spontan ein, was Georg Simmel in seiner „Philosophie des Geldes“ zum Thema Freiwilligkeit schrieb:

„Wenn in dem Chamissoschen Gedichte der Räuber mit vorgehaltener Pistole den Angefallenen zwingt, ihm Uhr und Ringe für drei Batzen zu verkaufen, so ist diesem unter solchen Umständen - da er nämlich nur so sein Leben retten kann - das Eingetauschte wirklich den Preis wert; niemand würde für einen Hungerlohn arbeiten, wenn er nicht in der Lage, in der er sich tatsächlich befindet, diesen Lohn eben dem Nichtarbeiten vorzöge.“
Simmel, Georg. 1989. Gesamtausgabe 6. Philosophie des Geldes. 1. Auflage. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1989, S.81. Links von mir hinzugefügt.


Die Frage, die bleibt, ist: Ist eine Entscheidung zwischen Leben und Tod wirklich noch eine freie? Beinhaltet nicht eine freie Entscheidung, dass die Wahlmöglichkeiten nachhaltig sind, und zwar beide? Wenn eine Entscheidung dazu führt, dass ich nie wieder nachher entscheiden kann, also der Entscheidungsbaum endet: Ist es dann wirklich eine freiwillige Entscheidung?

So gesehen könnte man sich fragen, ob nicht das im Video erwähnte „Lohn eintauschen können“ in ein „Lohn eintauschen müssen“ geändert gehört! Denn wenn man nicht seinen Lohn eintauscht, so verhungert man. Und das, wohlgemerkt, obwohl es objektiv gesehen nicht an Essen mangelt. Die "Lage", in der man sich "tatsächlich befindet" ist ja keine vom Himmel gefallene Situation, sondern auch eine von Menschen durch Recht, Gesetze, Macht und Gewalt erzeugte oder zumindest mit verantwortete. Wird man von anderen in die Lage gebracht? Werden gesellschaftliche Tatsachen nicht von anderen beeinflusst?
Man könnte damit denjenigen, der einen Lohn von einem anderen herauspresst, obwohl er selber genug hat, mit dem Chamissoschen Räuber vergleichen. Nur dass er nicht selber die Waffe hält, sondern über das Eigentumsrecht auf die Waffengewalt anderer zurückgreift.
Davon abgesehen, dass die im Video erwähnte reibungslose Anpassung oft mit Arbeitslosigkeit und Verarmung ganzer Regionen verbunden ist, welche oft von menschlichen Tragödien begleitet werden. Hier von Reibungslosigkeit zu sprechen kann nur als zynisch bezeichnet werden.

Ist die Entscheidung zu sterben wirklich eine freie? Streng genommen natürlich ja. Aber eigentlich wollen die meisten von uns nicht in Situationen geraten, wo sich die Frage stellt: Entweder das tun, was verlangt wird, oder nie wieder entscheiden. Nun stelle ich zunächst die These auf, dass das System für das Vermeiden solcher Situationen vollkommen egal ist. Auch Steuern zahlt man ja heute freiwillig! Man unterwirft sich freiwillig den Umständen und handelt dementsprechend. Auch im libertären System gibt es solche Systemzwänge. Die anderen können ihr Eigentum ja zurückhalten, insbesondere das Eigentum an Grund und Boden. Wenn man nicht auf seinen Körper verzichten möchte, so muss man sich irgendwo aufhalten. Dementsprechend ist man auch hier auf die Entscheidungen anderer angewiesen. Da ist kein Unterschied zum jetzigen System! Bei jedem dieser Systeme gibt es Zwänge, sich den Regeln zu unterwerfen, die man großteils nicht selbst entworfen hat.

Komplett freiwillig würde ja bedeuten: Ich kann es frei nach meinem eigenen Ermessen, ohne äußere Zwänge machen. Das wäre eventuell bei einem bedingungslosen Grundeinkommen der Fall. Wobei dies natürlich wiederum an eine bedingungslose Ausgabe anderer gebunden wäre, zu der man sie wiederum zwingen müsste. Aber weder in einem komplett freien Marktsystem, noch in einem zentralistischeren System wäre die Entscheidung frei von den Einflüssen anderer!

Zu den libertären Vorstellungen kann man sich noch ein anderes Video ansehen:



Gehen wir auf die ersten paar Sätze im Detail ein:

„Die Philosophie der Freiheit beruht auf dem Prinzip des Eigentums an sich selbst“

An sich selbst kann man kein Eigentum haben. Denn Eigentum kann man veräußern. Sich selber nicht. Diese Idee beruht auf der cartesianischen Idee, dass Geist und Körper getrennt sind. Ich gehöre mir nicht, ich bin ich! Von Eigentum kann man sich trennen, von seinem Körper nicht. Die Philosophie der Freiheit scheint also schon auf einem zwiespältigen Prinzip zu ruhen.

„Dein Leben gehört dir“

Auch hier ist der Eigentumsgedanke schon vorausgesetzt. Mein Leben gehört niemandem! Zuerst muss ich existieren und denken können, bevor ich überhaupt an Eigentum denke. Ich bin doch nicht mein eigener Sklave!

„Dies zu leugnen bedeutet, dass ein anderer Mensch einen höheren Anspruch auf dein Leben hat als du selbst“

Falsch. Dies zu leugnen kann auch bedeuten, dass niemand einen Anspruch auf mein Leben hat. Niemand.

„Dein Leben gehört keinem anderen Menschen oder keiner anderen Gruppe von Menschen“

Stimmt. Aber auch nicht mir. „Gehören“ ist das falsche Wort. Eigentum ist das falsche Wort, wenn es um Leben geht!

„genau wie das Leben anderer nicht dir gehört“

Stimmt. Sklaverei ist in den meisten Teilen der Welt zumindest formal abgeschafft.

„Wenn du deine Freiheit verlierst, verlierst du deine Gegenwart“

Wie kann man seine Freiheit verlieren? Außer jemand sperrt mich ein. Aber dann habe ich noch immer Gegenwart. Nur halt im Gefängnis.

„Das Produkt Deines Lebens und Deiner Freiheit ist Dein Eigentum“

Von mir aus. Das was ich produziere, das gehört mir. Also ist es zum Beispiel unmöglich Eigentum an Grund und Boden zu haben. Denn der kann nicht produziert werden. Und die Autos, die in einer Fabrik hergestellt werden, gehören den Arbeitern und nicht denen, die sie angestellt haben. Interessant. Damit scheint sich diese Denkrichtung nicht zu unterscheiden von manchen linken Ideen, die davon ausgehen, dass Kapitalisten nur den Mehrwert von Arbeitern enteignen.

„Eigentum ist die Frucht Deiner Mühen, das Ergebnis Deiner Zeit, Kraft und Talente“

Aber was, wenn man mit anderen zusammenarbeitet und das nur gemeinsam schafft? Wer hat dann das Eigentum? Wie misst man Mühen, Kraft und Talente so, dass das entstehende Eigentum gerecht aufgeteilt wird? Wenn ich Friseur bin und mit meiner Mühe, Zeit, Kraft, und meinem Talent die Haare scheide, habe ich dann Eigentum an dieser Frisur?

„Eigentum ist der Teil der Natur, den Du nutzbar gemacht hast“

Aber die Natur selber kann niemandem gehören. Denn sie kann nicht von Menschen erschaffen werden.

[...]

„Wenn zwei Menschen ihr Eigentum freiwillig tauschen, ist es für beide von Vorteil, oder sie würden es nicht tun“

Was bedeutet freiwillig hier? Ist es eine freie Wahl, wenn ich mich entscheiden kann zwischen Verhungern und Tauschen? Ist es eine freie Wahl, wenn Gewalt angedroht wurde? Ist es eine freie Wahl wenn mich jemand vor die Wahl stellt: Entweder du tauschst, oder ich erschieße dich? Die Umstände dieses Tauschs sind auch zu beachten!

„Manchmal nutzen Menschen Zwang und Betrug, um anderen ohne deren freiwillige Zustimmung etwas wegzunehmen“

Zum Beispiel indem sie Grund und Boden als Eigentum ansehen, obwohl Eigentum daran unmöglich ist, weil es nicht durch Mühe, Zeit, Talente erschaffbar ist? Und dann Leuten androhen, dass sie sie gewaltsam entfernen lassen, wenn sie diesen Boden nicht verlassen?

Diese Argumentation könnte man vermutlich endlos fortführen. Widersprüche, wohin man sieht.

[...]

Die Vorstellung der Voluntaristen ist also zusammenfassend:
Man bearbeitet den Boden und erschafft so etwas. Man schnitzt sich zum Beispiel aus einem gefundenen Stück Holz eine schöne Figur. Diese Figur tauscht man mit einem anderen, der Karotten angebaut hat. Dann kommt eventuell eine dritte Person: Der Staat. Und nimmt einen Teil von beidem weg.

Diese Vorstellung ist so vereinfachend, dass man sagen kann, dass sie falsch ist.

Denn es ist ja erstens nicht so, dass man alleine arbeitet. Sondern man arbeitet immer im Kollektiv. Das ist das Prinzip der Arbeitsteilung. Wann hat man denn schon ein Produkt, von der Erschaffung über den Konsum bis hin zur Zerstörung selber und alleine benützt? Der Fehler liegt natürlich in den zwei Prämissen, dass man a) Werte alleine schafft und b) bei einem Tausch diese Werte freiwillig immer gegen etwas tauscht, das für einen höherwertig ist. Denn Werte werden, wie gesagt, nie alleine geschaffen. Man kann noch so viel alleine machen. Meistens kann man nicht sehr viel. Insbesondere, wenn einem kein Grund und Boden gehört. Woher bekommt man denn da die Rohstoffe? Das bedeutet auch, dass Wertentstehung immer ein sozialer Prozess ist. Wem die Früchte der gesellschaftlichen Zusammenarbeit zufallen, ist immer eine politische und eine Verteilungsfrage. Oft ist es Verhandlungssache. Die Vorstellung, dass man alleine etwas schafft und das dann her tauscht, ist angesichts der Arbeitsteilung, ob betriebsweit, im Binnenmarkt oder gar international zu vereinfachend.

Zweitens ist der Tausch oft nicht freiwillig, sondern man ist eben darauf angewiesen. Man gibt seine Arbeitskraft her, weil man sonst nicht zu den Karotten kommen könnte, die einen ernähren. Wir Menschen leben nun mal auch in der Welt und sind von materiellen Dingen abhängig (wenn man von Lichtnahrung absieht. Und selbst dann muss man sich irgendwo aufhalten). Wenn jedoch alles Material und jeder Grund im Eigentum von jemandem anderen steht und ich davon definitionsgemäß ausgeschlossen bin, so bin ich von diesen Eigentümern abhängig. Man ist auf den „Tausch“ mit ihnen angewiesen. Doch dann ist es kein freiwilliger Tausch, sondern Erpressung oder Ausnützen einer Zwangslage. Wenn ich nicht mit dir tausche, wenn ich nicht für dich arbeite, verhungere ich. Wenn ich die Miete nicht bezahle, lande ich auf der Straße. Die ist in der libertären Welt wiederum schon im Eigentum anderer. Und wenn es nicht ums Verhungern oder auf der Straße leben geht, dann zumindest um soziale Ächtung. Ist es eine komplett freie Entscheidung, wenn man unter sozialem Druck steht?

Drittens gibt es keine Entität „der Staat“. Der Staat sind immer andere Menschen. Die Frage ist: Wer entscheidet? In einer Demokratie ist der Ansatz, pro Person eine Stimme zu gewähren. Er geht von einem Gleichheitsgrundsatz aus. Natürlich gibt es Beamte, die ihre Position missbrauchen. Natürlich ist unser Staatssystem nicht perfekt und gehört dringends geändert. Jedoch: Wären wir ohne wirklich besser dran? Viel wird einfach umverteilt. Viele profitieren dadurch indirekt von einem Staatswesen. In ungleicheren Staaten scheinen die Menschen nicht wirklich glücklicher zu sein.

Viertens ist die Frage, ob es Eigentumsrechte ohne eine Form von Staat geben kann. Denn Eigentum bedeutet, dass ich jemanden anderen von der Nutzung ausschließen kann. Wie das ohne eine Staatsgewalt möglich ist, darf hinterfragt werden.

Zusammenfassend:
Man muss sich bei den Voluntaristen einerseits bedanken, weil sie viele Schwachpunkte des staatlichen Systems aufzeigen. Auch die Kritik am Schulsystem ist oft angebracht. Man sollte jedoch nicht blindlings den Argumenten vertrauen, die ihrerseits oft widersprüchlich sind und in Systeme führen können, die wiederum Ausbeutung fördern und Auseinanderklaffen von Reich und Arm bewirken können.
Man darf nicht eine totalitäre Denkrichtung durch eine andere ersetzen.

Freiwilliges Bedingungsloses Grundeinkommen - Erfahrungen!

Im Mai 2013 startete ich den Versuch, das Freiwillige Bedingungslose Grundeinkommen einzuführen. Nach fünf Monaten möchte ich hier meine Erfahrungen dokumentieren:

Das Bedingungslose Grundeinkommen findet viele Befürworter. Erst kürzlich wurde in der Schweiz durch eine spektakuläre Aktion darauf aufmerksam gemacht:



Da ich es als ein wenig fahrlässig empfinde, ein neues Konzept wie das Bedingungslose Grundeinkommen gleich auf ein ganzes Land loszulassen, dachte ich, ich probiere es im kleinen Rahmen aus. Außerdem wollte ich auf die Argumente einiger Libertärer eingehen, die davon ausgehen, dass Steuern nicht freiwillig gezahlt werden und damit mit Zwang verbunden sind.

So hatte ich das FBGE gestartet und es auf möglichst großer Freiwilligkeit basieren lassen. Die Regeln möchte ich hier zitieren:
  • Alle Mitglieder zahlen freiwillig ca. 5% ihres Nettoeinkommens ein.
  • Man darf auch mehr oder weniger einzahlen.
  • Ab einem Mindesteinzahlbetrag von 1€ ist man dabei. Um im laufenden Monat dabei zu sein, muss man rechtzeitig zumindest 1€ in die Excel-Liste eintragen!
  • Die eingenommenen Beträge werden addiert, der Gesamtbetrag durch die Anzahl der Mitglieder dividiert und diese Beträge an die Mitglieder wieder ausbezahlt.
  • Man kann auf seine Auszahlung verzichten, dann bekommen die anderen mehr.
  • Man kann jederzeit aussteigen.
  • Die Mitgliederliste sowie die Finanzen können von sämtlichen Mitgliedern, sowie von Leuten, die ernsthaft überlegen mitzumachen, eingesehen werden.
Es war zunächst klar, dass es sich hierbei nicht um ein Grundeinkommen handeln würde, sondern halt um ein Freiwilliges Bedingungsloses Einkommen. Aber besser als nichts.

Gelerntes aus fünf Monaten FBGE:
Zunächst funktionierte es nicht schlecht. Ich startete es in meiner WG. Damit waren drei Personen dabei. Wir sahen uns oft und daher war die Geldübergabe kein Problem.
Dann weitete ich es aus und nahm vorsichtig mehr Leute auf. Darunter waren auch Menschen, die geographisch gesehen entfernter waren, in Niederösterreich, und sogar in Deutschland. Ab da wurde es kompliziert. Schlussendlich waren 8 Personen involviert. Der Verwaltungsaufwand für mich war schon mühsam. Jedes Monat musste ich den Leuten hinterher mailen, damit sie sich in die Liste eintrugen. Die Geldübergabe gestaltete sich ohne zentrales Konto ebenso als schwierig. Eine Person zahlte trotz Eintragung überhaupt nicht.
Auch für die Teilnehmer war es nach eigenen Aussagen zu mühsam, jeden Monat sich in eine Liste einzutragen und eine Überweisung zu tätigen. Mit mehr Personen wäre ein solches System nicht möglich.
Und schlussendlich hing das Projekt nur an mir. Während der Sommerferien hatte ich zwei Monate keine Zeit und Lust, mich darum zu kümmern. Nur: Ohne mich ging nichts weiter.

Weitere Erkenntnisse:
Interessant sind zunächst die Gründe, warum manche Menschen nicht mitmachen wollten. Meistens waren das entweder Leute, die sehr viel verdienten, oder welche, die nichts oder sehr wenig verdienten.
Das Argument der Vielverdiener war, dass sie eh genug hätten und nicht anderen auf der Tasche liegen wollten. Sie fänden es komisch, wenn sie etwas herausbekämen, ohne darauf angewiesen zu sein.(Ich führte daraufhin die Regel ein, dass man auf Auszahlungen auch verzichten kann...)
Das Argument der Wenigverdiener war ähnlich: Sie wollten den Durchschnitt nicht herunterziehen und Geld von anderen bekommen.
Unerwartete Begründungen, wie ich meine.
Eine andere Begründung, nicht mitzumachen, war: "Ich zahle schon genug Steuern. Da muss ich bei so etwas nicht auch noch mit machen!" Ebenso ein nachvollziehbarer Grund, wie ich meine, der selbstredend wieder den Libertären in die Hände spielt, wenn sie meinen, der Sozialstaat bringe die Menschen dazu, nicht mehr selber sozial seien zu müssen.

Zur Entwicklung des FBGE:
Die Höhe des FBGE entwickelte sich folgendermaßen:
Monat 1: 62,67 €
Monat 2: 48,75 €
Monat 3: 46,25 €
Monat 4: 37,50 €
Monat 5: 23,50 €


Ob das nur Zufall ist, oder ob eine tatsächliche Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens einen Produktivitätsabfall zur Folge hätte, wie es auch im Wikipedia-Artikel über das BGE kritisiert wird, kann aus der kurzen Periode nicht gefolgert werden. Das Bild sieht jedoch zugegebenermaßen nicht gut aus.

Fazit und nächste Schritte:
Es gibt noch viel zu lernen. Ich werde das Experiment noch ein halbes Jahr weiterführen und anschließend wieder Resümee ziehen. Dann werden wir sehen, ob nicht doch die Regeln geändert gehören. Vielleicht wird es notwendig sein, einen institutionellen Partner zu suchen und einen Teil des Verwaltungsaufwandes durch die Beiträge zu finanzieren.

Vom bisherigen Standpunkt aus sprechen leider viele Dinge gegen ein Bedingungsloses Grundeinkommen: Desinteresse der Leute zur Eigeninitiative, Verwaltungsaufwand und Zwangsbeglückung...vielleicht braucht es auch einfach noch ein wenig Zeit.

Knapp oder wenig vorhanden?

In einem kürzlich abgehaltenen Seminar führten zwei Seminarteilnehmer beiläufig ein humorvolles Gespräch, in welchem es um die Freiwilligkeit zu Arbeiten ging.

Der Erste sagte: "Niemand möchte freiwillig Teil des Arbeitsmarktes werden."
Der Anderer erwiderte darauf: "Du meinst ... Teil des Arbeitsmarkt-Services?!"

Diese beiläufig ausgesprochenen Worte ließen mich aufhorchen. Denn wer hatte Recht?
1) Musste man erst Arbeitssuchender sein, um am Arbeitsmarkt teilzunehmen?
2) Oder war man bereits als Angestellter Teil des Arbeitsmarktes? (Und möchte nur nicht Teil des AMS werden, wenn man seine Arbeit aufgibt?)  Diese Fragen ließen mich wiederum über die Theorie von Angebot und Nachfrage, über die Marktwirtschaft schlechthin nachdenken.

Denn bei oben gestellten Fragen wird jeder vermutlich Frage eins als richtig ansehen. Man wird nur Teil des Arbeitsmarktes, wenn man entweder Arbeit anbietet, oder Arbeit nachfragt, mithin arbeitslos ist oder eine freie Stelle zu besetzen hat. Die Leute, die bereits arbeiten müssen ihre Arbeit ja nicht anbieten. Auch die Unternehmen, die alle Posten besetzt haben, müssen sich nicht auf den virtuellen Marktplatz begeben, um nach Angeboten Ausschau zu halten. Doch was hat diese Analyse für logische Folgen?

Das bedeutet, dass das was abseits von Tauschoperationen oder von Anbahnen selbiger (=Angebot und Nachfrage) stattfindet, von der Preistheorie der Marktwirtschaft gar nicht beachtet wird. Güter, die nicht angeboten werden, kommen in der Theorie nicht vor. Die Preise ergeben sich ja nur durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Güter, die gar nicht am Markt teilnehmen, haben auch keine Auswirkungen auf die Preise.

Diese Erkenntnis kann einige Unklarheiten beseitigen. Nehmen wir die Frage nach der Inflation her. Viele sehen die Gelddruckpressen der Zentralbanken schon seit einiger Zeit heiß laufen. Sie meinen, dadurch wäre ein Überangebot an Geld da, was zu einem Preisverfall des Geldes ausgedrückt in Waren führen würde, also umgekehrt ein Steigen der Warenpreise, was man kurzerhand Inflation nennt. Nun ist die Frage, warum keine Inflation da ist. Die Antwort könnte simpel lauten: Weil das Geld nicht den Waren- und Dienstleistungsmarkt betritt. Es wird einfach nicht angeboten. Die Preise können sich jedoch nur verändern, wenn eine Markttransaktion angestrebt und tatsächlich durchgeführt wird. Und auf manchen Märkten wie den Märkten für Wertpapiere kann man auch enorme Preissteigerungen beobachten. Nur dass sie dort Wertsteigerungen oder Asset-price-inflation genannt werden. Das Geld ist also da, wird jedoch höchstens zur Spekulation verwendet und löst dort Inflation aus.

Oder nehmen wir die Mieten. Häuser und Wohnungen zu mieten kann sehr teuer sein, weil ein knappes Angebot besteht und/oder eine hohe Nachfrage. Das bedeutet jedoch nicht, dass nicht sehr viele Häuser oder Wohnungen existieren. Sie stehen nur leer und werden nicht zur Miete angeboten. Häuser bauen muss demnach nicht die Wohnungsknappheit verringern! Wenn diese nicht vermietet werden, bringt das nichts außer noch mehr leerstehende Häuser. Absolut gesehen sind mehr Häuser da als vorher. Relativ gesehen könnten sogar weniger da sein, weil mehr zurückgehalten werden. Die Mieten können dadurch steigen. Das kann dazu führen, dass es auf der einen Seite viele Obdachlose gibt, auf der anderen Seite viele leerstehende Häuser - wenn die Obdachlosen einfach kein Geld haben, um überhaupt am Markt teilnehmen zu können oder wenn die Hausbesitzer nicht gewillt sind, mit den Mietpreisen herunter zu gehen.

Daher können auch sehr viele Menschen arm sein, obwohl ein großer Reichtum vorhanden ist. Wenn diese nicht den Arbeitsmarkt betreten können, so sind sie in der ökonomischen Betrachtung nicht vorhanden. Genauso der große Reichtum. Wenn er gehortet wird, so hat er keine Auswirkungen auf die Preise. Dennoch existieren beide weiter: Die Reichen und die Armen.

Das bedeutet weiters, dass die Preistheorie von Angebot und Nachfrage nur den Wert-Übergang beobachtet und die Entstehung außer Acht lässt. Es ist eines der Verdienste von Karl Marx so möchte ich meinen, auch über die Entstehung von Kapital nachgedacht zu haben - auch wenn seine Theorien über Wert und Schlussfolgerungen daraus selbstredend kritisierbar sind.

Die Theorie von Angebot und Nachfrage betrachtet also relative Knappheiten: Knappheit bedeutet, dass ich etwas hergeben muss. Relativ bedeutet, dass der Preis sowohl von der Anzahl der Anbieter, als auch von der der Nachfrager abhängt. Die Frage, die bleibt, ist diese: Gibt es auch so etwas wie absolute Knappheiten? Gibt es auch Dinge, die unabhängig von Angebot und Nachfrage entweder sehr viel oder sehr wenig vorhanden sind?

Objektiv gesehen kann nichts wenig oder viel vorhanden sein. Denn die Worte "wenig" oder "viel" setzen ja wiederum eine Relation voraus."Wenig" in Relation zu wieviel? Das bedeutet jedoch nicht, dass dieses "wenig" oder "viel" immer nur abhängig von Markttransaktionen gesehen werden muss. Etwas kann als wenig vorhanden gesehen werden, obwohl es nicht verkaufbar ist. Man kann behaupten, dass es wenige Tiger auf dieser Welt gibt, auch wenn diese nicht legal handelbar sind. Andere Dinge wie persönliche Erinnerungsstücke können enorm selten und wenig vorhanden, aber komplett unverkäuflich und damit in einem ökonomischen Sinne nicht knapp sein, mithin keinen hohen Preis erzielen. Sie sind wenig vorhanden, weil sie für mich nicht reproduzierbar sind.
Das Weniger oder Mehr kann sich selbstredend auf zeitliche Relationen beziehen. Früher war mehr da. Man könnte es damit auch auf biologische Kategorien beziehen: Früher waren mehr Tiger da. Jetzt sind es nur noch wenige. Morgen sind es vielleicht gar keine mehr. So gesehen kann die subjektive Einschätzung von Mehr oder Weniger auch vorhanden sein, ohne dass man gleich an Tauschoperationen denkt.

Einige Fragen bleiben offen:
Welche Theorien der Wertentstehung und -Konsumption gibt es abseits der marxistischen noch? Und wie kann man diese in die Theorie von Angebot und Nachfrage gekonnt eingliedern? Es müsste eine sein, welche nicht in Kreislaufstrukturen denkt, sondern zumindest von linearen Voraussetzungen ausgeht, um dem Umstand, dass Güter irgendwann aus der Erde genommen werden und nach der Konsumption wieder auf dem Sondermüll landen, Rechnung zu tragen. Diese Theorie sollte also sowohl Wert-Übergang, als auch seine Entstehung erklären können. Und sie muss auch die Geschehnisse einbeziehen, die abseits von Wertstrukturen, jenseits des Markttausches ablaufen.

Kennt ihr solche Theorien?

"Geschenksökonomie"

Mit Stolz darf ich mein neuestes Werk mit dem Titel "Geschenksökonomie" vorstellen. Es kann unter diesem Link (pdf) direkt geschenkt heruntergeladen werden! Oder man klickt auf das Geschenk:

Da das Buch nicht verkauft wird, kann es gar kein Bestseller werden. In den ersten zwei Tagen wurde es jedoch schon 40 Mal heruntergeladen. Man kann also getrost jetzt schon von einem Bestgiver sprechen!

Wie ich dazu kam, mich mit Geschenksökonomie zu beschäftigen? Zunächst ging ich von der Geldsystemkritik aus.Viele der Beiträge in diesem Blog handeln davon. Davon ausgehend begann ich mich mit Tausch- und anderen Systemen und mit dem Systemwechsel konkret zu beschäftigen. Erst kürzlich habe ich einiges über den Liberalismus gelesen. Aus all diesen Überlegungen folgerte ich, dass es eine mögliche Lösung für die Probleme des Geldsystems und auch des Tausches generell gibt, welche auch auf die teilweise durchaus berechtigten Kritikpunkte von liberaler Seite eingeht: Die Geschenksökonomie. Das Fazit aus diesen Überlegungen komprimierte ich in diesem Buch. Ich freue mich, wenn es gelesen wird und ebenso, wenn es Rückmeldungen dazu gibt!

Ich werde übrigens voraussichtlich am Symposium "Schenken, Teilen, Beitragen. Wege aus der Geldlogik in Theorie und Praxis" über das Thema des Buches referieren. Der Kongress findet von 20. bis 22. Dezember in Wien statt! Auch hier freue ich mich schon auf regen Austausch!

So, und nun viel Spaß bei der Lektüre!

Warum sind Ausgaben für Mitarbeiter schlecht?

Am Anfang meines WU-Studiums empfand ich oft ein ungutes Gefühl. Viele der Dinge, die wir gelehrt bekamen, waren fragwürdig. Manche widersprachen einfach meinem moralischen Grundgefühl. Einige waren offensichtlich falsch. Ein Beispiel für eine Situation mit ungemütlichem Charakter, das mir noch gut in Erinnerung ist, kam in Kostenrechnung Eins vor. Ich hörte zum ersten Mal, dass die Gehälter der Mitarbeiter etwas Schlechtes seien. Sie seien etwas, das man reduzieren sollte - etwas, das bestenfalls ein notwendiges Übel war. Wir sahen uns ein paar Schemata an, in welcher Ausgaben für Mitarbeiter neben den Ausgaben für Material oder Mietaufwand gestellt wurden. Als sei es dasselbe, Miete zu zahlen oder Arbeitslohn. Wir sahen uns Ländervergleiche an, in welcher die Lohnnebenkosten einzelner Länder verglichen wurden, mit der scheinbaren Erkenntnis, warum Österreich nicht das idealste Land zum Wirtschaften sei, weil eben die Kosten für Mitarbeiter so hoch seien.

Für mich war es vor dieser Lektion immer selbstverständlich gewesen, dass ein Unternehmen für die Leute da sei. Dass alle, die im Unternehmen arbeiteten, dieses Vehikel für eine möglichst angenehme Einkommensquelle verwenden wollten. Dass es doch gut sei, wenn mein Unternehmen möglichst vielen Mitmenschen einen hohen Lohn zahlen konnte. Die WU zeigte mir ein anderes Bild. Die Sicht, die wir dort mitbekamen war die des Managers auf der Führungsebene, der bereits ausschließlich die Interessen der Eigentümer vertrat und der mit allen Mitteln Kosten drücken und Gewinne maximieren sollte! Dabei hatte ich durch die Unternehmer- und Beratertätigkeit meines Vaters andere Sichtweisen kennengelernt, die in der Praxis der Unternehmen durchaus auch vorkamen.

Fragen kamen auf. Fragen wie: Soll es wirklich das Ziel unseres Wirtschaftens sein, anderen Menschen die Lebensgrundlage zu entziehen, indem wir ihre Einnahmen senken? Wollen wir nicht alle Ähnliches: Gut leben? Was das positiv ausgedrückt bedeutet, darüber kann man natürlich streiten. Oft können wir es besser negativ ausdrücken, indem wir sagen, was wir nicht wollen: Wir wollen nicht, dass unser Gehalt, also die Gegenleistung, die wir für unsere Hingabe an eine Unternehmung bekommen, als Störfaktor gesehen wird. Wir wollen nicht unter ständigem Druck leben müssen. Wieso sollte ich mich als Manager anders verhalten?

Heute weiß ich, dass man diesen Gedankengang auch noch weiterführen kann. Denn nicht nur die Mitarbeiter“kosten“ sind eigentlich Einnahmen und damit Zugangsmöglichkeit unserer Mitmenschen zu den Lebensgrundlagen. Auch Materialkosten zahlen wir an unsere Lieferanten, die wiederum ihre Mitarbeiter bezahlen. Ausgaben werden immer nur an Menschen gezahlt, egal ob Mieten, Strom oder Arbeitskraft eingekauft wird. Somit muss man sich überlegen, ob man jemals Kosten als etwas Negatives sehen sollte und als etwas, das man unbedingt vermeiden und reduzieren möchte?!

Ich schreibe Obiges nicht, um die WU schlecht zu machen, sondern um sie konstruktiv zu kritisieren. Vielen Lehrenden ist sicherlich nicht bewusst, in welcher Welt sie schon gefangen sind. Ich denke, wir sollten diese Sicht der Gegenseitigkeit verlassen und uns wieder auf ein Miteinander konzentrieren. Unternehmen sollten angenehme Orte sein, wo alle wertgeschätzt werden. Das sollten sowohl die Eigentümer, als auch die oberen Führungsetagen schon früh mitbekommen. Das sollte daher auch schon in der Ausbildung passieren. Das muss nicht von oben herab durch Zwang durchgesetzt werden, sondern kann bei jedem Einzelnen von uns schon heute durch eine Einstellungs-, Gewohnheits- und Verhaltensänderung anfangen. Los geht’s!

Investieren, Konsumieren, Kapitalismus…

Antworten auf Fragen wie „Was ist Investieren?“ und „Was ist Konsum?“ hängen stark mit unserem Bild von Wirtschaft und Kapitalismus zusammen. Je nachdem, wie man darauf antwortet, kann man zu einer eher kapitalismuskritischen oder –positiven Sichtweise kommen. Ich habe mir diese Fragen ausführlich selber gestellt. Ohne zu einem vollends zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen, bin ich auf folgende Gedanken gestoßen.

Ich las gerade Keynes „General theory of employment, interest and money“ im Original. Werke selber zu lesen kann einem oft die Augen öffnen. Ich kann es nur jedem empfehlen. Viele Diskussionen würden vermutlich anders laufen, hätten die Protagonisten einen Blick ins Ursprungswerk geworfen. Gerade book I des besagten Werks kann ich beispielsweise allen Liberalen und Libertären empfehlen, die davon ausgehen, dass sich im Markt schon Vollbeschäftigung einstellen wird, wenn man ihn nur „in Ruhe“ lässt. Keynes widerlegt dieses Gerücht auf sehr ausgefeilte Art und Weise. Aber zu unserer Ausgangsfrage:

Ich weiß, dass Keynes in diesem Buch die Gleichung „Sparen = Investieren“ volkswirtschaftlich meint (Keynes, John Maynard: „The general theory of employment, interest and money“, New York: Prometheus books, 1997, S.63). Ich möchte hier vorerst von der individuellen Sicht starten und auch davon ausgehen, dass Sparen und Investieren ein und dasselbe sind, auch wenn man hier natürlich Feinabstufungen vornehmen könnte. Aber was bedeutet Investieren im Gegensatz zu Konsumieren?

Man könnte als erste Annäherung konstatieren, Investment definiert menschliche Verträge und Schuldverhältnisse, die zeitlich unbegrenzt sind oder zumindest lange Zeit überdauern. Es besteht als zwischenmenschliches Verhältnis. Das beste Beispiel ist ein klassischer Vertrag. Auch Dienstverhältnisse könnte man darunter subsumieren. Der selbst ernannte Investment-Guru Robert Kiyosaki würde Vermögen und damit Investments so definieren: „Something, that puts money in your pocket“ (wobei dieses „something“ natürlich eigentlich somebody ist, der Geld in deine Taschen steckt!). Wenn ich also meine Arbeitsleistung in etwas tausche, das in obige Kategorien fällt, so investiere oder spare ich. Nehmen wir das klassische Sparbuch. Es stellt eigentlich ein Schuldverhältnis der Bank mir gegenüber dar. Oder eine Aktie könnte man als übertragbaren Vertrag, zwischen den Mitarbeitern eines Unternehmens und mir, verstehen. Laufen die Geschäfte gut, so zahlen mir diese Mitarbeiter eventuell bis in alle Ewigkeit einen Obolus.

Die Idee von Sparen ist, dass ich die geleistete Arbeit irgendwie konserviere. Ich möchte nicht gleich alles sofort in verbrauchbare Dinge tauschen, sondern das erst irgendwann in der Zukunft machen. Ich möchte also „Wert erhalten“ – auch wenn das keine glückliche Formulierung ist. Somit könnte man auch Geld selber in die Kategorie „Sparen“ stecken. Schließlich stellt Geld in der heutigen Form einen Schuldschein dar, der ein zwischenmenschliches Verhältnis begründet.

Konsum hingegen ist von seiner Nutzbarkeit her zeitlich begrenzt. Er „rostet“, um Gesells Sprache zu verwenden. Er wird weniger oder verbraucht sich. Es ist ein Gegenstand oder eine einmalige Dienstleistung. Wenn ich Nahrungsmittel kaufe, so konsumiere ich. Oder wenn ich mir ein Auto kaufe. Es wird weniger wert, nützt sich ab und zerfällt irgendwann in seine Einzelteile. Beim Konsum endet das menschliche Verhältnis nach dem Kauf oder Verkauf. Man besitzt dann einen Gegenstand, der mehr oder weniger schnell rostet und verfällt.

Es gibt auch Dinge und Konstellationen, die dazwischen fallen - die zwar Sparen oder Investieren sind, aber keine unmittelbare menschliche Schuld beinhalten. Diese können Rendite abwerfen bzw. „Wert erhalten“ (sprich man bekommt später wieder Arbeitsleistung im Austausch dafür) Und das, ohne dass jemand eine Schuld abarbeiten muss oder sich in ein Abhängigkeitsverhältnis begibt. Beispiele wären Grund und Boden inklusive „grüner Rendite“ (im Sinne von Naturalien), Edelmetalle, Kunstgegenstände und sonstige Gegenstände, die vielleicht zukünftig begehrt werden, wie Weine,…

Folgende Grafik fasst obiges noch einmal zusammen:

Nachdem wir so zwischen Konsum und Sparen unterschieden haben, können wir definieren, was einen Kapitalisten ausmacht. Ein Kapitalist ist einer, der es geschafft hat, Schuldverhältnisse und Verträge so zu seinen Gunsten einzurichten, dass er grob gesprochen immer mehr bekommt. Dass er also „von den Zinsen leben“, sein „Geld für sich arbeiten lassen“ kann. Er hat und bekommt ohne zusätzliche Arbeit für andere ständig mehr und teilweise so viel, dass er es bis an sein Lebensende gar nicht mehr konsumieren könnte. Gibt es keine gegensteuernden Erbgesetze, so können sich solche Verhältnisse über Generationen festigen und das, obwohl die Kinder und Enkel nichts zu ihrer Situation ursprünglich betrugen. Dementsprechend finden sich jedoch andere in der gegenteiligen Lage, in der sie nichts für die bestehenden Verhältnisse können, jedoch trotzdem Schulden abtragen müssen.

Kapitalisten im obigen Sinne werden aus verschiedenen Gründen moralisch verurteilt. Einerseits stellen Gier und Geiz traditionell und religiös geprägt Sünden dar. Das Immer-Mehr-Wollen und Horten und das auf Kosten anderer ist verurteilenswert. Der Kapitalist möchte mehr, nur um mehr zu haben. Er sieht seinen Nachbarn verhungern und es ist ihm trotzdem - vielleicht aus Angst vor Verlust - wichtiger, die bestehenden Verhältnisse aufrecht zu erhalten.

Der Kapitalist ist auch deshalb so verschrien, weil er es schamlos ausnützt, dass er sich in einer besseren Verhandlungsposition befindet. Er kann für sich bessere Verträge aushandeln, weil er am längeren Arm sitzt. Er hat mehr als genug und nützt es aus, dass andere zu wenig haben. Er beutet damit die Zwangslage anderer aus. Das muss nicht so sein, kommt jedoch oft genug vor. Gesellschaftsordnungen, die ein solches Verhalten nicht nur nicht bestrafen, sondern sogar unterstützen, dürfen in meinen Augen zu Recht als unmoralisch und unmenschlich bezeichnet werden. Der strenge Schutz von Eigentum (an Verträgen, Arbeits- und Schuldverhältnissen) stößt hier an seine zu missachtende Grenze, besonders wenn er unter dem Deckmäntelchen der „Freiheit“ daherkommt.

Im Neoliberalismus (wie er als Kampfbegriff eigentlich fälschlicherweise in der heutigen Bedeutung verwendet wird) wird dieses Prinzip so auf die Spitze getrieben, dass sich die Kapitalisten der ihnen durch die etablierten gesellschaftlichen Verhältnisse zukommende Macht nutzen, um auf die hohe Politik einzuwirken und somit die gemeinschaftlichen Regeln zu ihren Gunsten derart zu verändern, dass ihre Vormachtstellung ausgebaut oder zumindest erhalten bleibt (siehe Bankenrettungen, Geldschöpfung, EU, Monsanto, Zollpolitik, usw.…)

Was ist der Ausweg aus diesen menschenverachtenden Systemen? Erstens darf nicht das Ziel sein, mittels Investments im klassischen Sinne anzusparen. Diese stellen meistens Abhängigkeitsverhältnisse und damit Unfreiheiten anderer dar. Stattdessen sollte man versuchen, vorsichtig in oben erwähntes „Zwischending“ zu investieren. In Gegenstände, welche zwar möglicherweise „Wert erhalten“, deren Lagerung jedoch niemandem Schaden zufügen. In nachhaltige Naturverhältnisse anstatt unnachhaltige zwischenmenschliche. In einen Permakulturgarten beispielsweise, dessen Erträge man unter sich und seinen Mitmenschen aufteilt. Schuldverhältnisse sind generell zu vermeiden. Man sollte selbstredend unterlassen, die eigene Verhandlungsmacht vollkommen auszureizen. Weiters sollte man möglichst viel seiner Leistung denen widmen, die am untersten Ende stehen. Spenden und Geschenke sind hier das oberste Gebot.

Was für weitere Vorschläge und Ideen hast du?

Wer mehr tut, bekommt auch mehr…not!

Eine der Versprechungen der Marktwirtschaft ist, dass diejenigen, die mehr tun, auch mehr bekommen. Es sei dies der Nachteil von anderen Systemen, in denen die Verteilung gleichmäßig erfolge. Aber: Stimmt das überhaupt?

Zuerst muss man sich überlegen, was es bedeutet, „mehr zu tun“. Mehr von etwas tun, bedeutet in der Marktwirtschaft automatisch, mehr verkaufen. Warum? Weil sich das „etwas“ erst im Verkauf realisiert. Anders gesprochen: Eine Ware, die ich nicht verkaufen kann, ist keine Ware. Ob es eine Ware war, sehe ich erst nach einem Verkauf.

In den wenigsten Fällen kann ich das Produzierte auch noch selber konsumieren (wie zum Beispiel bei Lebensmitteln), aber auch nur in geringsten Mengen. In den meisten Fällen arbeitet man für andere, stellt es rein für andere her. Meistens kann man selber mit dem Hergestellten gar nichts anfangen, sondern man produziert es nur für den Verkauf. Also: nur wenn ich mehr verkaufe, bekomme ich mehr, verdiene ich mehr. Ich kann noch und noch so viel tun. Solange mir niemand mehr dafür gibt, war alles umsonst.

Das heißt: Wer mehr tut und für dieses mehr auch jemanden findet, der es kauft, bekommt mehr. Und erst wenn man jemanden gefunden hat, der es kauft, war das Produzierte ein Etwas. Vorher war es ein Sinnloses Nichts, bestenfalls ein gescheiterter Versuch eines Produktes, aus dem man lernen kann. Mehr Erfahrungen habe ich durch dieses gescheiterte Produkt bekommen, aber nicht mehr Materielles!

Das heißt, je mehr oder teurer ich verkaufen kann, desto mehr bekomme ich. Mehr oder teurer verkaufen kann ich eventuell, wenn ich mehr tue, mich also mehr anstrenge. Das muss aber nicht sein.

  • Es kann auch Glück im Spiel sein. Wer mehr Glück hat, verkauft und bekommt mehr.
  • Es kann auch sein, dass ich Grund und Boden besitze und dieser mehr natürliche Güter abwirft. Also: Wer mehr Grund und Boden besitzt, bekommt mehr.
  • Es kann sein, dass ich besser verhandeln kann als andere. Also wer besser Verträge aushandeln kann, bekommt mehr.
  • Wer berühmter ist, bekommt oft mehr.
  • Wer mehr dem Schönheitsideal entspricht, verdient oft mehr.
  • Wer bei seinem letzten Job schon viel bekommen hat, bekommt eventuell mehr.
  • Wer besser netzwerken kann und die richtigen Leute kennt, bekommt oft mehr.
  • Wer das eine Geschlecht hat, verdient oft mehr, als wenn er das andere hätte. 
  • Wer skrupelloser ist, bekommt oft mehr. Warum? Weil da die Konkurrenz meist nicht so groß ist. Deshalb ist ja Waffenproduzent oder Hedgefonds-Mitarbeiter sehr lukrativ. 
  • Schließlich: Wer schon viel hat, bekommt leichter mehr. Man nennt dies den Matthäus-Effekt. Das ist das, was man überlicherweise unter „Geld für sich arbeiten lassen“ versteht. Die erste Million ist die schwerste. Die zweite schon leichter. Und so weiter. Geld und Kapital wirft Zinsen ab. Daher gilt auch: Die, die viel haben, bekommen mehr.

Auch in der internationalen Arbeitsteilung kann man beobachten, dass andere Dinge als „mehr tun“ zu mehr Erfolg führen:

  • Wer besser Geheimnisse für sich behalten kann, bekommt oft mehr. Siehe Bankgeheimnis in der Schweiz.
  • Wer die meisten Waffen hat und bessere internationale Regeln erzwingen kann, bekommt eventuell mehr.Beispiele kann sich jeder selber ausdenken.
  • Wer zufällig an bestimmten geographischen Orten liegt, bekommt oft mehr, siehe Suezkanal oder Brennerpass-Maut.

Die Aussage „Wer mehr tut, bekommt auch mehr“ stimmt also nur unter gewissen Voraussetzungen.
Die erste wäre, dass man „tun“ sehr weit fasst. So weit, dass es beinahe keinen Sinn ergibt. Zum Beispiel wenn man Erben oder Glück haben unter das Wort „tun“ zählen möchte, was vermutlich niemand ernsthaft macht.

Zweitens, dass das Tun immer mit dem Verkauf zusammenhängt. Wer mehr verkauft, bekommt auch mehr.Wer mehr tut, aber nichts verkauft, bekommt auch nichts.

Damit möchte ich natürlich nicht sagen, dass mehr tun per se vollkommen irrelevant wäre. Mehr tun kann natürlich dazu beitragen, auch mehr zu bekommen. Ich möchte auch nicht andere Systeme propagieren, wo obige Verhältnisse noch verstärkter zu einem Mehr verhelfen können. Alles, was ich sagen möchte, ist, dass man sich fragen muss, ob die Aussage „Wer mehr tut, bekommt auch mehr“ nicht zu vereinfacht, zu viele Aspekte ausblendet und daher reine Propaganda darstellt.

Warum ich in Thailand so reich bin

Auf meinen Reisen durch Südostasien und Nepal beschäftigte mich eine Frage quälend: Wie konnte es sein, dass ich in diesen Ländern wie ein König leben konnte? Wieso gehörte ich in Europa mit meinem bescheidenen Gehalt zum unteren Drittel der Einkommensbezieher, war in Asien jedoch damit sicherlich im obersten?

Warum kann beispielsweise ein Taxifahrer aus Österreich nach Thailand fahren und dort lange gut leben, für einen Menschen, der die selbe Tätigkeit in Thailand ausübte, ist es jedoch verwehrt nach Österreich zu kommen? Sie beide machen die selbe Arbeit, sind innerhalb ihrer Länder eventuell gleichgestellt, wenn sie die Ländergrenzen jedoch überqueren, so gibt es riesen Unterschiede. Das durfte doch in einem international kapitalistisch vernetzten System nicht der Fall sein...Es musste irgendwie am Geldsystem hängen. Ich konnte mir das jedoch nicht erklären.

Auf die - zugegebenermaßen simple - Lösung kam ich durch das Buch "23 Lügen, die sie uns über den Kapitalismus erzählen" von Ha-Joon Chang. Auf Seite 144 gibt er die Lösung:
"Solche Unterschiede entstehen vor allem deshalb, weil Umtauschkurse zum großen Teil von der Nachfrage nach international gehandelten Gütern und Dienstleistungen bestimmt werden (wenngleich auch Devisenspekulation kurzfristig die Wechselkurse beeinflussen können). Die Kaufkraft einer bestimmten Summe in einem bestimmten Land richtet sich hingegen nach den Preisen aller Waren und Dienstleistungen und nicht nur nach denen der international gehandelten."
Klar: Der Wechselkurs kommt durch die Nachfrage nach der jeweils anderen Währung zustande. Wollen mehr Menschen aus dem Ausland zum Beispiel deutsche Waren kaufen, so müssen sie zunächst ihre Währung in Euro wechseln. Sie verkaufen quasi ihr Geld und kaufen europäisches. Durch das verstärkte Angebot ihres Geldes sinkt dessen Preis und durch die verstärkte Nachfrage nach dem Euro steigt dessen Preis.

Wenn daher Ausländer aus welchem Grund auch immer (es kann ja auch sein, dass sie die Währung nur als "Wertaufbewahrung" horten wollen, wie z.B. beim Dollar) mehr der Währung nachfragen, so steigt diese im Vergleich zu den anderen Währungen. Innerhalb des Landes jedoch werden die Preise durch die üblichen Abläufe festgesetzt: Entweder durch Verhandlungen am Markt, oder staatlich festgesetzt.

Es kommt dabei auch auf die Art der Ware an. Chang schreibt wiederum (144f.):
"Die wichtigsten unter den nichtgehandelten Dingen sind die sogenannten personenbezogenen Dienstleistungen, etwa Taxifahrten oder die Bedienung im Restaurant. Handel in diesen Bereichen erfordert internationale Migration, doch wird diese durch Einwanderungsbeschränkungen stark begrenzt, sodass die Preise für solche Dienstleistungen in verschiedenen Ländern am Ende ganz unterschiedlich ausfallen [...]. Wenn man international gehandelte Waren wie Fernseher oder Mobiltelefone betrachtet, ist der Preis in allen Ländern, ob arm oder reich, ungefähr der gleiche."
Genau diese Beobachtung konnte ich auch machen. Die Laptops und Handys waren nicht wirklich billiger in Thailand. Diese werden international gehandelt, daher gibt es trotz Umrechnungskurs keinen Preisvorteil.

Ich profitierte also bei meinen Reisen davon, dass Europas Währung so stark nachgefragt wurde im Ausland, dass europäische Produkte so gefragt sind von Ausländern - ohne dass ich unbedingt selber etwas dazu beigetragen hätte. Es scheint somit zwei Gründe für diesen Unterschied zu geben: Erstens, dass wir unterschiedliche Währungen haben. Zweitens, dass Migration beschränkt ist. Zwei Machtmittel, die manche zu Königen, andere zu Dienern machen...

Philosophische Implikationen der Wirtschaftswissenschaft

Es gibt wenige Wissenschaftsgebiete, die derartig philosophische Grundfragen berühren, wie die Wirtschaftswissenschaften. Das kann man zunächst vor allem daran erkennen, dass beinahe keine Theorie unbestritten ist. Bei jeder gibt es sowohl gute Argumente dafür, wie auch dagegen.

Die Ökonomik bedient sich sehr gerne der Wenn-Dann-Sätze, oder –Denkschemata. Es wird meist versucht, von einigen Prämissen ausgehend eine logische Struktur herzustellen, und daran anschließend Prognosen zu erstellen. Doch wie kommen sie zunächst zu ihren Wenn-Sätzen, zu ihren Prämissen?

Wenn man die Dichotomie zwischen Empirie und Apriorischem aufrechterhalten möchte, so kann man wirtschaftswissenschaftliche Theorien in zwei Gruppen bezüglich der Entstehung ihrer Voraussetzungen aufteilen:
  • Die erste Gruppe versucht ihre Grundlagen deduktiv aus apriorischen Sätzen abzuleiten. Das heißt, manche Sätze werden entweder als Tautologien vorformuliert (z.B.: „Der Mensch versucht immer nur, seinen Nutzen zu maximieren“), oder sie werden der Vernunft, der Logik oder auch aus göttlicher Eingebung entnommen.
  • Die anderen wollen empirische Beobachtungen herannehmen, wie zum Beispiel biologische, kulturelle oder geschichtliche Fakten, und diese als erste Annahmen verwenden (z.B.: „Man kann einen Zusammenhang zwischen Ungleichverteilung des Reichtums und Anzahl der Gefängnisinsassen erkennen“).

Egal, ob die Voraussetzungen apriorisch getroffen (zb. der homo oeconomicus) oder nach empirischen Untersuchungen festgesetzt werden, meist wird eben dann eine logische Abhängigkeit anderer Ereignisse oder Folgerungen konstatiert. „Wenn dieses oder jenes passiert, dann wird das und das geschehen.“ Oder umgekehrt: „Das ist geschehen und der Grund war dieses.“ Deswegen lieben die Ökonomen auch die Mathematik, welche ihnen ein Weltbild zu vermitteln hilft, das in eine Gleichung hineinpasst. Egal, ob Zeit in dem Modell eine Rolle spielt oder nicht, alles lässt sich auf eine Formel bringen.

Das Problem an der Sache: Das Neue lässt sich nicht aus der Vergangenheit ableiten. Sowohl Regeln, als auch Verhaltensmuster ändern sich. Gerade technische Neuerungen haben oft große Auswirkungen auf Verhaltensweisen.

Weiters: Wenn eine Theorie bekannt wird, so hat sie Auswirkungen auf die Handlungen der sie betreffenden Menschen. Egal, ob self-fullfilling oder sich-selbst-aufhebend. Irgendwas passiert in der Welt, sobald die neue Theorie da ist. Es ist alles in Bewegung, der Fluss fließt weiter und auch die Menschen verändern sich. Und gleichzeitig auch nicht. Die Wenn-Dann-Beziehung mag in naturwissenschaftlichen Fächern gelten („Wenn ich den Stein loslasse, so fällt er zu Boden“), in den wirtschaftswissenschaften ist sind die beobachteten Objekte immer andere Menschen, bei denen ein Sprechen-Über immer auch ein Sprechen-Zu ist. Diese Objekte können die Theorien auch verstehen und dementsprechend reagieren.

Das erkenntnistheoretische Problem ist ein sehr großes bezüglich ökonomischer Fragestellungen. Die meisten Ökonomen legen jedoch ihre Voraussetzungen nicht offen. Sie geben nicht zu, zu welcher der beiden obigen Gruppen sie gehören. Stillschweigend übernehmen sie apriorische und a posteriorische Grundlagen und vermischen sie nach Gutdünken.

Es ist außerdem immer wieder überraschend, wie falsch Autoren zitiert werden. Die Originalwerke zu lesen lässt einen oft erstaunen, wie sich Theorien durch die Rezeptionsgeschichte hindurch verändern können. Dem Leser sei empfohlen, Bücher von Hayek oder Mises im Original zu lesen. Beide geben zum Beispiel zu, dass für manche Gesellschaftsgruppen, wie alte Menschen, ein staatliches Umverteilungssystem gebraucht wird – was von einigen zeitgenössischen Vertretern der Österreichischen Schule der Nationalökonomie bestritten wird, unter Berufung auf die erwähnten Autoren. Wie beim Spiel „Stille Post“, bei dem einer dem anderen was ins Ohr sagt und am Ende etwas ganz anderes herauskommt. So ist das erkenntnistheoretische Problem auch dadurch bedingt, dass schriftliche Erkenntnis, wenn sie widergegeben wird, ebenso der persönlichen Interpretation unterworfen wird, manche Dinge bewusst oder unbewusst weggelassen und andere hinzugefügt werden.

Auch von der Fragestellung her berühren die Wirtschaftswissenschaften nur allzu oft philosophische Grundfragen, ohne dies jedoch offen zuzugeben: Was ist überhaupt das gute Leben? Was ist der Sinn, was ist das Ziel des Lebens? Was ist Arbeit? Was ist Gerechtigkeit? Was wollen wir, was sollen wir? Wirtschaftswissenschaften geben oft vorschnell Antworten auf diese Fragen.

Schließlich geht es auch um Macht. Machverhältnisse haben Einfluss auf die ökonomische Theorie. Die herrschende Lehre wird von den Gewinnern geschrieben. Und die Gewinner ändern sich ständig. So kann man ruhig konstatieren, dass ökonomische Machtverschiebungen auch zu veränderter Theoriebildung führen. Wie finanzielle Mittel zu direkter wissenschaftlicher Beeinflussung führen können, kann man in diesem Video sehen:

Das Verhältnis von Macht und ökonomischer Theorie habe ich auch ausführlicher in meiner zweiten Diplomarbeit behandelt.

So ist die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften eine der Missverständnisse, eine der Ideologien und der radikalen Wortgefechte und ja, auch eine des Unwissens und sogar eine der Manipulation. Fundamentalisten sind überall anzutreffen. Und oft scheinen diese nicht einmal zu merken, auf welch unverrückbaren Standpunkten sie stehen. Weil sie sich nicht ihrer philosophischen Grundlagen bewusst sind. Wegen der philosophischen Implikationen, inklusive der Gebiete Macht, Erkenntnistheorie, Ethik und Logik.

Es gibt keine Spekulationsblasen!

Da die ÖBP in diesem Monat „Spekulationsblasen“ zum Thema hat, möchte ich hier mit einigen Missverständnissen aufräumen. Missverständnissen, die in meinen Augen von einer falschen Vorstellung von dem kommen, was man unter „Wert“ zu verstehen hat.


Wikipedia definiert eine Blase folgendermaßen:
„Als Spekulationsblase (häufig auch: Finanzblase; englisch: speculative bubble, economic bubble, financial bubble) wird in der Makroökonomie eine Marktsituation bezeichnet, in der die Preise eines oder mehrerer Handelsgüter (zum Beispiel Rohstoffe oder Lebensmittel), Vermögensgegenstände (Immobilien und Wertpapiere wie zum Beispiel Aktien oder Anleihen) bei hohen Umsätzen über ihrem inneren Wert (auch: Fundamentalwert oder intrinsischer Wert) liegen.“ (aufgerufen am 29.April 2013, Links entfernt)
Somit muss man für die Existenz von Spekulationsblasen von der Idee eines inneren Wertes ausgehen. Unter „Innerer Wert“ schreibt Wikipedia dann:
„Unter dem inneren Wert (englisch: intrinsic value) oder fairen Wert (englisch: fair value) versteht man in der Finanzanalyse, insbesondere der Fundamentalanalyse, den Wert eines Unternehmens oder Wertpapiers, der diesem aufgrund objektiver Bewertungsmaßstäbe beigemessen wird ("angemessener Wert").“ (aufgerufen am 29.April 2013, Links entfernt)
Einen großen Teil meiner zweiten Diplomarbeit habe ich dazu aufgewendet zu erklären, dass es im Wirtschaftsleben keine objektiven Bewertungsmaßstäbe geben kann. Um die Diskussion dort zusammenzufassen: Nach der subjektiven Wertlehre gibt es keinen objektiven Wert mehr. Es gibt keinen Wert, der an den Objekten selber hängt. Werten ist immer subjektiv, ist immer ein Bewerten. Es ist ein Unterschied, ob ich einen Meter mit dem Lineal messe, oder ob ich einen Preis, einen Wert von etwas schätze! Preise sind nicht messbar. Wären sie es, so könnte man tatsächlich kalkulieren, was denn jetzt der faire, innere Preis eines Gutes ist.

Da Preise jedoch von Angebot und Nachfrage, Verhandlungen und Einkaufs- und Verkaufsverhalten, mithin also von menschlichen Entscheidungen abhängen, welche großteils spontan, manchmal auch frei, teilweise rein rational, oft sogar willkürlich getroffen werden, sind diese nicht kalkulierbar. (Außer man wirft das Konzept des freien Willens über Bord – aber das ist eine andere Geschichte)

Daher gehe ich von der Annahme aus, dass ein innerer Wert nicht existiert. Was existiert, sind einerseits subjektives Bewerten - „Ich schätze den Wert dieses Gegenstandes auf 10€“ – und andererseits Preise – „Wir einigen uns: Du bekommst den Gegenstand und ich den 10€-Schein“. Was nicht existiert ist: „Hey! Ich habe nachgemessen. Der Gegenstand war eigentlich nur 9€ wert!“ – „Du hast Recht. Hier ist dein Euro.“ Preise sind verhandelbar, nicht messbar. (Zumindest ist das in der Marktwirtschaft der Fall. Das heißt nicht, dass nicht Wirtschaftssysteme zumindest denkbar wären, die tatsächlich den physischen Aufwand messen und einbeziehen, um Dinge zu produzieren und zu verteilen…)

Wenn also kein innerer Wert existiert, so ist der Wert eines Wertpapiers immer nur der zuletzt zustande gekommene Preis. Wenn kein innerer, fairer Wert existiert, so kann auch keine Blase existieren, bei der der tatsächliche Preis vom inneren Preis abweicht.



Nun kann man sicherlich Kursverläufe – Preisverläufe – beobachten und im Nachhinein konstatieren, dass der Verlauf eine Blase dargestellt hat. Nach einer Phase des langsamen Wachstums beschleunigte sich dieses. Der Preis stieg sehr schnell an, nur um daraufhin noch schneller wieder zu fallen. Das Einzige, was daran immer überraschend ist, ist dass das Leute immer noch überraschen kann. Man muss sich fragen, ob eine solche Wachstumskurve nicht eher die Norm darstellt, als die Ausnahme. Auf sämtlichen Märkten konnte in der Vergangenheit schon so ein Wachstum beobachtet werden. Wenn ein Preis beginnt, stark zu steigen, dann kann man eigentlich mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass er auch wieder stark fallen wird. Das liegt sicherlich daran, dass in der Marktwirtschaft oft pyramidenspielartige Bewegungen ablaufen. Man kauft etwas, weil man Erträge dadurch haben möchte. Man kann jedoch nur einen Ertrag damit erzielen, wenn man jemanden findet, der es teurer abkauft. Das ist bei Aktien so und bei Gold genauso. Der Käufer kauft es zum teureren Preis und sucht dann selber einen Nachkäufer. Das geht so lange gut, bis sich niemand mehr finden lässt. Dann „platzt die Blase“. Lässt sich überhaupt kein Käufer mehr finden, so ist das Ding wertlos. Es gibt niemanden mehr, der ihm Wert zuschreiben würde. Die traurige Erfahrung musste jeder in der Schule schon machen, der ernsthaft mal versucht hat, die ach-so-wertvollen Sammel-Basketballkarten tatsächlich zu verkaufen.

Wenn ich also bei diesem Spiel mitmache, dass ich überschüssiges Geld nicht dazu verwende, um zu konsumieren, sondern versuche, mein „Geld für mich arbeiten zu lassen“ – die ureigenste kapitalistische Angelegenheit – so muss ich damit rechnen, dass Preis irgendwann auch wieder fallen und „Blasen platzen“. Doch das ist weder etwas Außergewöhnliches, noch hat es mit einem objektiven, fairen oder inneren Wert zu tun.

Auf weisen Wegen in Nepal

Auf einem dreiwöchigen Trekking-Trip durch Nepal können einige Weisheiten zutage kommen. Durch das lange kontemplative Dahingehen scheinen einfache Tipps auf einmal auch tiefgründige Bedeutungen erlangen zu können. Ist nicht das ganze Leben eine lange Wanderung? Folgende Dinge habe ich bei meiner kürzlich durchgeführten Annapurna-Umrundung erfahren. Manches davon kann man auch im täglichen Leben anwenden!

1. Drückt der Schuh, dann tue etwas dagegen! Sonst wird es meist noch schlimmer!


Der Weg zwischen Thorung Phedi und High Camp


2. Es ist manchmal verblüffend, wie viel man an einem Tag schaffen kann!



Blick vom Poon Hill
 3. Es kann sinnvoll sein, ein fixes Ziel vor Augen zu haben und darauf zuzusteuern. Hast du es erreicht, so feiere! Mache Pause! Dann suche ein neues Ziel!



4. Auch wenn du den Weg zu deinem Ziel nicht genau kennst: Du wirst ihn finden und kennenlernen!

Brücke auf über 4000 Metern


5. Keine Angst vor den Menschen! Wenn du etwas wissen möchtest, dann frage! Wenn dich jemand ansieht, dann grüße ihn!

Wanna smoke something, my friend?
6. Man gewöhnt sich schnell an neue Situationen. An kalte Duschen zum Beispiel. Oder an 10 Kilo mehr am Rücken.

Gebetsmühlen


7. Besser eine schnelle, zweitklassige Entscheidung treffen, als eine langsame und drittklassige! Vermeide langes Hin- und Her. Triff eine Entscheidung, zieh sie durch und steh dazu!

Das Flussbett hinter Jomsom


8. Die Liebe zu den Bergen ist die reinste!

Gletscher der Gangapurna

Auf dem Weg zum Annapurna Base Camp

9. Für viele scheint das Ziel viel mehr zu gelten als der Weg dorthin. Ins Annapurna Base Camp und das so schnell wie möglich. Nur nicht stehenbleiben. Keinen Blick für die Details am Wegrand. Nur das Ergebnis zählt. So schnell wie möglich. Und vor allem schneller als die anderen! Immer im Wettbewerb. „Wie schnell warst du? Wann und wo bist du gestartet? Wie lange braucht man dahin?“ Nicht: „Wie schön ist es dort? Hast du den Weg genossen?“ Alle laufen um die Wette den Berg rauf und runter. Nur um einmal da gewesen zu sein. Um es erzählen zu können. Chinesen, Amerikaner, Holländer, Deutsche, Japaner. Ich genauso. Was für ein verrücktes Bild für unsere Zeit.

Bei Hongde

10. Genereller Gedanke beim Anblick der Armut: Vielleicht ist Düringers Weg falsch. Vielleicht, und ich sage vielleicht, ist der Weg zurück, aus den Systemen heraus, nicht der richtige. Vielleicht sollten wir doch nach vorne. Aber auf eine andere Art. Eventuell hat doch Eisenstein Recht, wenn er meint, dass der bisherige Weg wichtig war. Das wir nicht zurück in die Steinzeit sollten, sondern schon nach vorne gehen, fortschrittlich sein. Aber anders als bisher?! Fortschritt wohin? Lebensstandard weiter heben? Noch stärkere Vernetzung?

Beim Anblick des einfachen Lebens hier scheinen unsere Lippenbekenntnisse zu einem einfacherem Leben als falsch, als verklärt. Wir träumen vom einfachen Leben und vergönnen den Armen den Aufstieg. Wir vergöttern die Armut und verdammen unseren Fortschritt. Das ist Sozialromantik pur. Wir wollen in Wirklichkeit nicht in die Armut. Wir sollten auch nicht dorthin. Wir müssen den Spagat schaffen: Fortschritt und Fortbestehen. Reichtum und Nachhaltigkeit!

Straße in Kathmandu

Bankrun auch bei Bitcoin möglich?!

Bitcoin wird als die neue Zukunftswährung gehandelt. Erst kürzlich kam es wieder zu enormen Kursschwankungen und dementsprechend auch wieder zu vielen Medienberichten. Von Vielen wird Bitcoin als relativ sicher angesehen und, aufgrund des knapphaltenden Algorithmus mit Gold verglichen.
Was jedoch Viele nicht sehen: Auch bei Bitcoin könnte es bereits fractional-reserve banking geben.


Was passiert bei einem Bankrun? Üblicherweise vergibt eine Bank mehr Anrechte auf Geld, als sie hat. Das nennt man fractional-reserve, weil sie nur einen Teil (Fraktion) der Guthaben tatsächlich bereit hält (Reserve), falls jemand sein Guthaben tatsächlich abheben möchte. Dies ermöglicht es Banken, mehr Kredite zu vergeben, als Geld da ist und auf diese neu geschaffenen ermöglichten Guthaben auch Zinsen zu verlangen. Besonders problematisch ist das, wenn sich die Banken zusammen geschlossen haben und alle so verfahren.

Warum gehe ich davon aus, dass das auch bei Bitcoin passiert? Denken wir an eine Bitcoin-Börse. Es wird Geld von vielen eingezahlt. Andere zahlen ihre Bitcoins ein, weil sie sie verkaufen wollen. Allerdings gehe ich davon aus, dass nicht sofort alle Bitcoins und Euro komplett wieder abgezogen werden. Vielmehr zahlt man Euro ein und hat dann ein Euro Guthaben. Dann kauft man über die Plattform die Bitcoins. Vielleicht überweist man einen Teil tatsächlich zu sich in sein Wallet. Einen Teil sowohl der Bitcoin, als auch des Geldes wird man auf der Plattform liegen lassen. Dies hat selbstredend spekulative Gründe. Wenn der Bitcoin-Kurs stark fällt, will man noch Euros auf der Plattform haben um nachzukaufen. Steigt der Bitcoin-Kurs kurzfristig rapide an, verkauft man seine Bitcoins und hat wieder Euro-Guthaben.

Ich gehe davon aus, dass nicht die gesamten Euro- und Bitcoin-Guthaben auf diesen Plattformen gedeckt sind. Die Börsen wären auch nicht finanziell intelligent, wenn sie so vorgehen würden. Schließlich kann man es auch nicht überprüfen, was die Plattformen mit den eingezahlten Euro und Bitcoin machen. Es liegt die Vermutung nahe, dass die Börsen nur so viel parat halten, wie durchschnittlich ausgezahlt wird, und mit dem Rest etwas anderes machen. Zum Beispiel auch damit spekulieren. Demnach hätten wir auch bei Bitcoin bereits Guthaben, welche nur teilweise durch Reserven gedeckt sind.

Noch offensichtlicher würde es werden, wenn einzelne Börsen Bitcoin-Kredite vergeben würden. Man könnte gleich Bitcoin-Guthaben verkaufen, die man nie besessen hat, sondern nur geliehen waren. Die aber die Plattform eventuell auch nicht besaß, sondern einfach nur als Guthaben erschuf! Da die Plattformen davon ausgehen können, dass nicht alle geschaffenen Guthaben ausgezahlt werden, insbesondere wenn immer neue Marktteilnehmer eintreten und einzahlen, können sie mehr Guthaben schaffen, als sie tatsächlich Bitcoin in Reserve haben.

Wir sehen also: Auch Bitcoin sind nicht vor Fractional-Reserve und Bankrun gefeit. Es wird, wenn sich Bitcoin weiter entwickeln, nicht lange dauern, bis es möglich sein wird, Kredite aufzunehmen. Wenn sich dann Börsen zusammenschließen und nur noch Bitcoin-Guthaben und Euro-Guthaben gehandelt werden, haben wir die Bankruns vorprogrammiert.

Ebenfalls von mir zum Thema Bitcoin:

Widersprüche der Wirtschaftswissenschaft: Freihandel oder Koordination?

Die moderne Wirtschaftswissenschaft baut auf einigen Prämissen auf. Eine davon ist die Vorstellung, dass Handel immer für beide Seiten gut ist. Wenn zwei Partner oder zwei Gruppen sich auf einen Austausch verständigen, so muss dieses Geschäft für beide Seiten sinnvoll gewesen sein. Sonst hätten sie den Austausch nicht vollzogen. Dies wird oft als Rechtfertigung für den Freihandel angesehen. Den Handel unterbinden bedeute, diese Besserstellung, die ansonsten stattgefunden hätte, ausbleiben zu lassen. Denn Handel hätte die Beiden auf jeden Fall besser gestellt. Natürlich kann man dieses Prinzip selber hinterfragen (z.B.: Ist es im Angesicht des Verhungerns noch eine freie Wahl? Wenn ich mich nur entscheiden kann zwischen Annehmen und Tod, war das dann noch wirklich eine freie Entscheidung? Usw.) Hier möchte ich jedoch dieses Prinzip einmal als gegeben hinnehmen. Das Argument ist also: Wenn sich zwei auf etwas einigen, so stellen sie sich besser. Allen anderen kann das egal sein. 

Nun möchte ich eine zweite Prämisse vorstellen: Das ist die Idee, dass in einer Marktwirtschaft die Preise als Koordinationsfunktion zwischen den Gruppierungen dienen. Wenn die Preise für ein Gut steigen, so werden dort verstärkt die Unternehmen hinwandern. Es werden neue Unternehmen gegründet, welche genau dieses Gut anbieten werden. Durch das höhere Angebot und die neue Konkurrenzsituation werden daraufhin die Preise wieder fallen. Bis zu der Situation (die freilich nie eintrifft), dass ein paar Unternehmen in Konkurs gegangen sind, ein paar aufgekauft und ebenfalls liquidiert wurden, und damit Angebot und Nachfrage wieder ausgeglichen sind. Auch für den Arbeitsmarkt gelte diese Regel. Wenn in technischen oder wirtschaftlichen Berufen die Gehälter sehr hoch sind, so werden verstärkt Leute sich in diese Richtung ausbilden und auf den Arbeitsmarkt treten, was durch die Konkurrenz dann die Gehälter wieder sinken lässt. Dass jedoch ein Gleichgewicht nie erreichbar ist, weil die Nachfrage auch abhängig vom Preis und der Werbung der Unternehmen ist und ständig schwankt, bzw. weil es auch von der verfügbaren Liquidität, sprich dem Budget der Käufer, abhängt, ob sie sich diese Preise überhaupt leisten können, sei wieder dahingestellt. Aber grundlegend wird angenommen, dass Preise Kommunikationszeichen sind und sich die Leute dementsprechend auch verhalten.

Nun muss man sehen, dass sich Prinzip Eins und Prinzip Zwei widersprechen. Denn jeder private Austausch, jeder Kaufakt, hat Auswirkungen auf die Preise. Immer, wenn sich zwei einigen, so wird ein Preis festgelegt. Somit ist eigentlich kein Austausch privat. Jeder Kauf hat Auswirkungen auf alle anderen Personen und auf die noch kommenden Kaufakte.

Man kann sich zum besseren Verständnis einen Marktplatz vorstellen. Prinzip eins besagt, dass zwei sich auf diesem Markt treffen. Der eine bringt Karotten mit, der andere Geld. Sie einigen sich auf einen Preis, also ein Austauschverhältnis (z.B.: Drei Karotten für 80 Cent), und führen den Austausch durch. Einer trennt sich vom Geld und nimmt zufrieden die Karotten. Der andere braucht die Karotten nicht und freut sich über das Geld. Sie stehen beide besser da als vor dem Tausch. So weit, so schlecht.
Denn jetzt tritt Prinzip zwei auf den Markt. In unserem Beispiel wäre das Austauschverhältnis nicht geheim, sondern sie hätten sich so lautstark unterhalten, dass alle gehört hätten, wieviel der Verkäufer für die Karotten verlangt hätte. Andere hätten das mit bekommen und würden dann auf die Idee kommen, ebenfalls Karotten anzubieten. Schließlich kann man damit gutes Geld machen. Dann betreten sie den Markt als Konkurrenten und bieten sich gegenseitig hinunter. Jeder darauffolgende Kauf und Verkauf bringt neue Preise hervor, die wiederum Auswirkungen haben: Einmal kommen mehr Käufer, einmal mehr Verkäufer, ab und zu geht ein Verkäufer pleite, weil die Preise zu niedrig sind, manchmal kann sich jemand gar keine Karotten leisten, weil sie zu teuer sind. Aber immer sind es individuelle Kaufakte, die alle anderen Teilnehmer beeinflussen.

Wir sehen also, dass eine der beiden Prämissen nicht stimmen kann. Entweder ist Handel immer gut, weil er zwei Individuen besser stellt und auf alle anderen keine Auswirkungen hat. Oder die Preise haben Koordinationsfunktion und somit (gute und schlechte) Auswirkungen auf alle anderen. Entweder Freihandel ist immer gut, oder es gibt diese Koordinationsfunktion. Mit welcher der beiden Prämissen arbeiten wir weiter?

Die ökonomische Ungleichheit IST die Krise...

Das diesmonatige Thema der ökonomischen Blogparade lautet “Ist ökonomische Ungleichheit ein (Haupt?)Grund für die ökonomische Krise”. Dies ist mein Beitrag, der grundsätzlich davon ausgeht, dass die ökonomische Ungleichheit die eigentliche ökonomische Krise IST.

Damit man mich nicht gleich falsch versteht: Gleichmacherei von Ungleichem ist kein heeres ökonomisches Ziel. Klar, wer mehr tut, soll auch mehr bekommen - aus Gründen der Fairness und aus Gründen der ökonomischen Anreize, die Leistung belohnen sollen. In vielen Diskussionen, besonders mit Vertretern der neoklassischen, marktfetischistischen und/oder liberalen Seite des ökonomischen Denkens kommt die Neid-Keule. Wieso sollte nicht einer sehr reich sein und ein anderer verglichen damit sehr arm, wenn es dem Armen trotzdem jedes Jahr ein kleines Stück besser geht? In anderen Worten: Es sei doch egal, dass die Schere zwischen arm und reich auseinandergeht, solange es nur den Armen auch jedes Jahr besser geht. Gute, auf den ersten Blick logische Argumente.

Allerdings gibt es in meinen Augen mehrere entscheidende Gegenargumente gegen eine zu große Ungleichheit:

1) Eines davon kommt schlichtweg aus empirischen Beobachtungen. Die Verhaltensökonomie hat Ungleichheiten im Ultimatumspiel untersucht. Das ist ein Spiel, das man schnell auch mit seinen Verwandten ausprobieren kann, was ich nur empfehle, um eigene Beobachtungen durchzuführen. Der Spielleiter gibt 10 Euro her und sagt dem ersten Spieler, er dürfe dieses Geld teilen nach seinem Ermessen: Wieviel soll er selber bekommen und wieviel der andere? Spieler zwei darf dann wählen: Nimmt der den Vorschlag an, bekommen beide das Geld. Lehnt er ab, bekommt niemand was. Das interessante Ergebnis: Wenn der erste Spieler zu unfair verteilt, lehnt der zweite Spieler meistens ab! Obwohl die unfairste Verteilung ja wäre, das Spieler 1 sich 9,99 € gibt und dem anderen nur 1 cent. Selbst das müsste noch angenommen werden. Denn Spieler 2 ist ja mit 1 cent noch besser dran als mit 0 cent. Trotzdem wird das schon bei einer "besseren" Ungleichverteilung oft abgelehnt. Es ist interessant zu beobachten, dass Spieler 2 auch dann zum Beispiel ablehnt, wenn er 3 Euro bekäme und Spieler eins 7. Die empfundene Unfairness lässt Spieler 2 offenbar denken: Na wenn du so unfair teilst, sollen wir beide leer ausgehen!

So gesehen, und das kann man meiner Meinung nach beobachten, schaffen große Ungleichheiten in der Gesellschaft Unzufriedenheit und schließlich Krise. Bevor du sehr viel mehr hast als ich hau ich lieber unser beider Eigentum zusammen. Das ist das Risiko auch für die reicheren Bevölkerungsschichten, die es dann doch auch mehr in der Hand haben, für eine gerechtere Verteilung zu sorgen: Dass die Armen es als so ungerecht empfinden, dass sie lieber alle ärmer sehen, als diese Ungleichheit. Deshalb is eine große Ungleichheit eine ökonomische Krise, weil es das Sozialgefüge auseinanderdriften lässt und die Chance auf ein mutwilliges Zerstören aller Werte erhöht.

2) Zweitens ist ungleiche monetäre Verteilung auch mit ungleicher politischer Macht verbunden. In Österreich erleben wir gerade ein Paradebeispiel. Der Milliardär Frank Stronach hatte sich aus unerfindlichen Gründen dafür entschieden, in die Politik zu gehen ("Damit Österreich eine gute Zukunft haben wird", nach seinen Worten). Auch wenn tatsächlich, wie mehrmals beteuert, niemals finanzielle Mittel geflossen sein sollen (in Österreich gilt zumindest für reiche Menschen die Unschuldsvermutung) konnte Stronach schon vor jeglicher Wahl so viele Parlamentarier überzeugen in seine Partei überzutreten, dass das Team Stronach schon über Klubstatus im Parlament verfügt. Ohne jemals als Partei mit Programm gewählt worden zu sein. Offensichtlich ist Überzeugungsarbeit als Milliardär um einiges leichter, als wenn man diese Mittel nicht hat, auch wenn kein Geld fließt. Wie gesagt: Unschuldsvermutung. Daher bedeutet Ungleichverteilung auch tiefe demokratische Krise, denn das demokratische Prinzip der gleichen Einflussnahme auf die Politik ist dadurch ausgehebelt.

3) Drittens, wie schon an anderer Stelle beschrieben, scheint es eine Korrelation zwischen Ungleichheit und anderen wirtschaftspolitisch wichtigen Entwicklungen zu geben. Statistisch gesehen ist eine gleichere Verteilung der Einkommen "besser" für alle Bevölkerungsgruppen. Ich bin der Meinung, dass Wirtschaftswissenschaft immer wertet. Daher bin ich der Meinung, dass eine Verbesserung in Themenbereichen wie Lebenserwartung, Kindersterblichkeit, Drogenabhängigkeit, Gewalt und Verbrechen und Aufstiegs-Chancengleichheit zugleich auch Ziele von wirtschaftlicher Tätigkeit sein sollten. Laut der zitierten statistischen Arbeit stehen Gesellschaften, die gleichere Verteilung haben, "besser" in all den obigen Bereichen da. Unterstellt man dieser Korrelation auch eine Kausalität, so ist eine Gesellschaft in der Krise, wenn die Ungleichheit größer wird. Denn dann sinkt der Lebensstandard für alle. Weitere empirische Arbeiten werden zeigen müssen, ob diese Kausalität wirklich besteht.

Natürlich habe ich hier Krise in einem weiteren Wortsinn als üblicherweise verwendet. Aber ich denke trotzdem, dass auch im engeren Blick auf die Krise obige Punkte zumindest hineinspielen...Wäre die Staatenkrise möglich gewesen, ohne die politische Macht einiger finanziell starker Interessensgruppen? Gäbe es einen solchen Vertrauensverlust in der Bevölkerung, wenn es gleichere Verteilung gäbe? Eine wirtschaftliche Krise ist immer auch eine gesellschaftliche und politische Krise, die meist auch mit Ungleichheiten einhergeht... 

Bedürfnisbefriedigung, Ressourcenknappheit und Welthunger

Was ist überhaupt ein Gut? 

Ein Gut ist ein Etwas, das einen Dienst für mich erfüllt. Ich kaufe mir ein Auto, weil ich wo hin möchte. Ich kaufe mir einen Kochtopf, weil ich kochen möchte. Ich kaufe mir etwas zu Essen, weil ich mein Hungergefühl stillen möchte. Ich kaufe mir Gewand, weil mir kalt ist. Ich miete eine Wohnung, weil ich wohnen möchte. Ich kaufe mir Gold, weil ich denke, es in Zukunft wieder in Geld tauschen zu können und so vorsorgen zu können. Ich kaufe mir eine goldene Uhr, weil ich mir erkaufe, dass Leute sehen, dass ich viel Geld ausgeben kann. Also ist ein Gut zunächst nur eine Bedürfnisbefriedigung oder eine Dienstleistung, die oft an einen Stoff gebunden ist. Es ist ein Werkzeug, ein Mittel zum Zweck. Ich kaufe den Gegenstand, weil er das und das (Hunger stillen, Transport, Wärme, Prestige,…) für mich leistet. Oder zumindest muss ich glauben, dass der Gegenstand das für mich leistet. Leistet der Gegenstand diesen Nutzen jedoch nicht für mich, so kaufe ich ihn nicht. Und, oft auch beeinflusst durch Werbung, wurde das zugrundeliegende Bedürfnis erst bei mir geweckt – keine Frage.

Nun muss man sehen, dass die selben Bedürfnisse durch unterschiedliche Waren und Wege erfüllt werden können. Das Bedürfnis nach Wärme kann ein Mantel leisten. Ich kann auch drei Pullover übereinander anziehen. Ich kann mich in eine Decke einwickeln. Ich kann aber auch einen Heizstrahler aufstellen oder zuhause die Heizung anstellen. Oder ich kaufe eine Flasche Schnaps, trinke sie und spüre ein Wärmegefühl in mir. Oder ich bewege mich einfach mehr und wärme mich so auf.

Das Bedürfnis nach Ortsveränderung lässt sich durch ebenso viele verschiedene Waren erfüllen. Ich kann ins Auto steigen. Ich kann ein Taxi nehmen. Auch der Zug oder das Flugzeug sind Möglichkeiten. Daneben gibt es noch das Fahrrad, das Schiff, man geht zu Fuß, nimmt den Bus oder gar das Skateboard.

Umgekehrt haben Waren auch für unterschiedliche Menschen unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten. Bei Rohstoffen ist das besonders deutlich. Ob Gold verwendet wird, um in die Zähne eingesetzt zu werden, oder um zum Funktionieren eines Mobiltelefons beizutragen, ob man einen Bilderrahmen vergoldet, weil er schöner aussieht, oder ob man es nur zuhause liegen hat weil man denkt, dass man später wieder Geld dafür bekommen könnte, immer sind es unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten für ein und das selbe Metall und damit unterschiedliche Kaufgründe.

Wird Eigentum überbewertet?

Zugegebenermaßen ist in unserer heutigen Zeit das Eigentum an dem betreffenden Gegenstand sehr wichtig. Wir wollen die Ware für die Bedürfnisbefriedigung. Das Eigentum, das uns die alleinige Verfügungsmacht darüber gibt, scheint das besonders gut zu unterstützen. Ich möchte mit dem Auto transportiert werden, wann ich möchte und mich nicht nach jemandem anderen richten müssen. Habe ich Eigentum über den Gegenstand, so scheint mir das die Sicherheit zu geben, jederzeit das Bedürfnis erfüllen zu können.

In letzter Zeit ist jedoch ein Trend zu beobachten, dass Viele von diesem Eigentumgedanken wieder abrücken und zu Share-Konzepten wechseln. Car-Sharing ist nur eine Variante davon. Der Vorteil: Eigentum kann auch belasten. Ich muss mich darum kümmern. Ich muss es erhalten. Ich muss mich um Neubeschaffung und Entsorgung kümmern. Wenn ich die Dienstleistung des Transportes einkaufe, dann muss ich das alles nicht. Mein Dienstleister ist bemüht, die Kosten zu senken. Er kann leichter neue Modelle zu Verfügung stellen. Er wartet die Fahrzeuge. Er kümmert sich um viele rechtliche Angelegenheiten usw. Die neu aufkommenden Share-Modelle zeigen lassen das Augenmerk wieder weg vom Eigentumgedanken am Gut selber, hin zur Bedürfnisbefriedigung mit Hilfe des Gegenstandes rücken.

Eine Ware kaufe ich also, weil sie ein Bedürfnis befriedigt, und sei es auch nur ein durch Werbung gewecktes Bedürfnis nach Prestige. Die Bedürfniserfüllung selber ist jedoch an keinen besonderen Stoff gebunden. Daher gilt: Ein Mehr an Bedürfnisbefriedigung muss nicht mit einem Mehr an Ressourcenverbrauch einhergehen! Oft ist es so, aber es hängt nicht zwingend zusammen!


Wie ist das mit der Ressourcenknappheit?

Die Vorstellung der Ressourcenknappheit geht davon aus, dass ein Bedürfnis nur durch ein Gut erfüllt werden kann. Wenn mehr Menschen dieses Bedürfnis erfüllen wollen, müssen mehr dieser Güter hergestellt werden. Wenn mehr Menschen das Bedürfnis nach Individualverkehr erfüllt haben wollen, müssen mehr Autos hergestellt werden. Dabei kann genauso gut bereits oben erwähnte Mittel wählen, muss also nicht zwingend mehr Ressourcen verbrauchen. Wirtschaftswachstum ist hier ein irreführender Begriff.

Nur darf man nicht umgekehrt in die Falle tappen zu glauben, Ressourcenknappheit wäre gar kein Problem. Die neoliberale Theorie geht in vielen Punkten nämlich so weit zu sagen, dass eine Verknappung der Ressourcen kein Problem sei, weil dann einfach die Preise für dieses Gut höher würden. Man muss aufpassen, dass man hier nicht Dinge vermischt. Erstens ist ein Zusammenhang zwischen Preisen, welche immer das Geldsystem und damit das Verteilungssystem der Menschen betreffen, und tatsächlicher vorhandener ökologischer Knappheit, nicht eindeutig. Am letzten Tag, bevor der Teich leer gefischt ist, kann noch so viel gefangen werden wie nie zuvor und der Preis für den einzelnen Fisch ist dementsprechend niedrig. Doch am nächsten Tag ist gar kein Fisch mehr da und damit auch kein Preis mehr, weil niemand mehr Fische kaufen kann. Es wäre ökologisch und nachhaltig gesehen fatal zu sagen: Na gut, wenn es keine Fische mehr gibt, erfüllen wir unseren Nahrungsbedarf halt mit Rindfleisch. Klar, das Bedürfnis kann durch ein anderes Gut erfüllt werden. Doch die Auslöschung von Lebensräumen, die Ausrottung von Spezies und das Zunichtemachen wichtiger Ressourcen ist ökologischer Wahnsinn und sollte keinesfalls durch Hinweis auf die Substituierbarkeit des Bedürfniserfüllungsmaterials gerechtfertigt werden. Zweitens bedeutet eine Preiserhöhung, dass Arme durch den Rost fallen. Zu sagen, das wäre egal, sollen sie doch Kuchen essen, wenn sie sich das Brot nicht mehr leisten können, ist purer Zynismus.

Mehr Umsätze ist nicht gleich mehr Ressourcenverbrauch

Unser Geldsystem zwingt durch seinen Verschuldungszwang zu Mehr. Aber zu mehr Umsätzen. Ich kann Umsätze auf zwei Arten erhöhen: Entweder ich verkaufe mehr, oder ich verkaufe teurer. Aber dieses Mehr kann auch bedeuten, dass ich von mehr Menschen das Bedürfnis befriedige. Dazu muss ich, wie oben erwähnt, nicht unbedingt mehr Ressourcen verbrauchen. Und selbst wenn, dann nicht mehr von der selben Ressource. Mehr Umsätze bedeuten eben mehr oder höherwertige Geldtransaktionen und nicht zwingend mehr Ressourcenverbrauch.

Ein Produkt muss nicht an einen Stoff gebunden sein, weil es nur eine Dienstleistung IST! Ich kann nun die Dienstleistung auch durch Menschen erfüllen lassen. Das ist jedoch klassisch nur ökonomisch sinnvoll, wenn der Mensch an sich nicht teurer ist als die Produktion einer Maschine. Wenn es billiger ist, einen Menschen zu bezahlen der meinen Rasen schneidet, als einen elektrischen Rasenmäher zu kaufen, so ist es finanziell klüger, den Menschen einsetzen. Also kann das Mehr an Umsätzen auch ein Mehr an Dienstleistungen bedeuten.

Welche Bedürfnisse sollen erfüllt werden?

Man sollte immer fragen: Welcher Dienst wird erfüllt? Welche Knappheit wird geschaffen, welche wird behoben? Ist es mir wichtiger, dass ich mich schneller verbinden kann mit immer mehr Menschen? Oder dass niemand mehr an Hunger leidet? Angenommen, uns wäre es wichtig, dass kein Mensch mehr verhungern muss auf dieser Welt. Angenommen, wir würden uns nicht jedes Jahr ein neues Handy besorgen, sondern dieses Jahr darauf verzichten und das Geld in Lebensmittellieferungen in die so genannte dritte Welt stecken. Angenommen, der Umsatz von Apple, Samsung, Nokia , Sony Ericsson und LG ginge komplett in Umsätze von Unternehmen, die Essen an die Hungrigen der Welt gratis verteilen. Das wären insgesamt um die 400 Milliarden USD! Das würde reichen, um die Hungrigen dieser Welt für 36 Jahre zu versorgen. Wir hätten keinen Hunger mehr auf dieser Welt. Aber uns ist es wichtiger, Unterhaltung in Form elektronischer Geräte zu kaufen, als Welternährung.

(Umsatz Apple ~156 000 000 000 USD lt. http://de.wikipedia.org/wiki/Apple 
+ Umsatz Samsung Electronics ~143 000 000 000 USD lt. http://de.wikipedia.org/wiki/Samsung_Electronics 
+  Umsatz Nokia ~39 000 000 000 Dollar zum derzeitigen Wechselkurs und lt. http://en.wikipedia.org/wiki/Nokia 
+ Umsatz Sony Ericsson ~5 000 000 000 USD lt. http://en.wikipedia.org/wiki/Sony_ericsson)
+ Umsatz LG Electronics ~48 000 000 000 USD lt. http://en.wikipedia.org/wiki/LG_Electronics
= ~ 400 Milliarden USD

tägliche Kosten für die Ernährung der Hungrigen: ~ 30 000 000 USD/Tag lt. http://www.stopthehunger.com/ zum Zeitpunkt der Artikelerstellung, 

400 Mill. dividiert durch 30 Mio = 13333 Tage = ~36 Jahre!).  

Das Problem ist sicherlich auch: Der Nutzen eines Gutes, der mir zufällt, kann sofort beurteilt werden. Das Handy funktioniert, oder es funktioniert nicht. Wenn ich Essen für jemanden in Afrika kaufe, kann ich schwer bis gar nicht überprüfen, ob es tatsächlich dort ankommt und ob es tatsächlich auf ein Bedürfnis dort trifft, oder ob es überhaupt gewollt war. Die Bedürfnisbefriedigung eines anderen Menschen, und noch dazu wenn er sehr weit weg ist, ist nur schwer zu beurteilen. Dennoch: Wir könnten das Mehr und Schneller, dem unsere Welt nicht zuletzt durch unser Geldsystem unterworfen ist, auch dazu nützen, um den Hunger aus der Welt zu schaffen. Bisher wollten wir das nicht und waren uns dem eventuell gar nicht bewusst. Das Bedürfnis nach Welthungerbeseitigung war uns noch nicht groß genug.

Fazit: 

Ein Mehr muss nicht ein Mehr an Ressourcenverbrauch sein. Insbesondere dann nicht, wenn mehr Waren nur bedeutet, dass mehr Bedürfnisse befriedigt werden und dafür mehr gezahlt wird. Wir müssen uns vom Gedanken verabschieden, dass eine Ware immer nur stofflich gebunden sein muss und unser Augenmerk auf das Bedürfnis richten, das die Ware uns erfüllt. Zu dieser Befriedigung muss ich nicht auf Ressourcen zurückgreifen, sondern kann auch Dienstleistungen effizient verwenden. Voraussetzung ist, dass wir vom Eigentumsgedanken loslassen. Ein Mehr an Umsätzen bedeutet eben nicht, dass mehr der Natur entnommen werden muss. Hier intelligente Lösungen zu finden, ist eine der Aufgaben der Zukunft: Wie kann das selbe Bedürfnis erfüllt werden, ohne dass dabei Abfall, Verschmutzung und Artensterben entstehen? Welche Dienste dann getätigt werden, hängt mit unseren Wünschen und Bedürfnissen und anschließend von unseren Kaufentscheidungen zusammen. Wünschen wir uns dieses Jahr ein neues Handy, oder eine hungerfreie Welt? Diese Entscheidung treffen wir, also du und ich, heute. Und morgen. Und übermorgen.
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