Es gibt keine Spekulationsblasen!

Da die ÖBP in diesem Monat „Spekulationsblasen“ zum Thema hat, möchte ich hier mit einigen Missverständnissen aufräumen. Missverständnissen, die in meinen Augen von einer falschen Vorstellung von dem kommen, was man unter „Wert“ zu verstehen hat.


Wikipedia definiert eine Blase folgendermaßen:
„Als Spekulationsblase (häufig auch: Finanzblase; englisch: speculative bubble, economic bubble, financial bubble) wird in der Makroökonomie eine Marktsituation bezeichnet, in der die Preise eines oder mehrerer Handelsgüter (zum Beispiel Rohstoffe oder Lebensmittel), Vermögensgegenstände (Immobilien und Wertpapiere wie zum Beispiel Aktien oder Anleihen) bei hohen Umsätzen über ihrem inneren Wert (auch: Fundamentalwert oder intrinsischer Wert) liegen.“ (aufgerufen am 29.April 2013, Links entfernt)
Somit muss man für die Existenz von Spekulationsblasen von der Idee eines inneren Wertes ausgehen. Unter „Innerer Wert“ schreibt Wikipedia dann:
„Unter dem inneren Wert (englisch: intrinsic value) oder fairen Wert (englisch: fair value) versteht man in der Finanzanalyse, insbesondere der Fundamentalanalyse, den Wert eines Unternehmens oder Wertpapiers, der diesem aufgrund objektiver Bewertungsmaßstäbe beigemessen wird ("angemessener Wert").“ (aufgerufen am 29.April 2013, Links entfernt)
Einen großen Teil meiner zweiten Diplomarbeit habe ich dazu aufgewendet zu erklären, dass es im Wirtschaftsleben keine objektiven Bewertungsmaßstäbe geben kann. Um die Diskussion dort zusammenzufassen: Nach der subjektiven Wertlehre gibt es keinen objektiven Wert mehr. Es gibt keinen Wert, der an den Objekten selber hängt. Werten ist immer subjektiv, ist immer ein Bewerten. Es ist ein Unterschied, ob ich einen Meter mit dem Lineal messe, oder ob ich einen Preis, einen Wert von etwas schätze! Preise sind nicht messbar. Wären sie es, so könnte man tatsächlich kalkulieren, was denn jetzt der faire, innere Preis eines Gutes ist.

Da Preise jedoch von Angebot und Nachfrage, Verhandlungen und Einkaufs- und Verkaufsverhalten, mithin also von menschlichen Entscheidungen abhängen, welche großteils spontan, manchmal auch frei, teilweise rein rational, oft sogar willkürlich getroffen werden, sind diese nicht kalkulierbar. (Außer man wirft das Konzept des freien Willens über Bord – aber das ist eine andere Geschichte)

Daher gehe ich von der Annahme aus, dass ein innerer Wert nicht existiert. Was existiert, sind einerseits subjektives Bewerten - „Ich schätze den Wert dieses Gegenstandes auf 10€“ – und andererseits Preise – „Wir einigen uns: Du bekommst den Gegenstand und ich den 10€-Schein“. Was nicht existiert ist: „Hey! Ich habe nachgemessen. Der Gegenstand war eigentlich nur 9€ wert!“ – „Du hast Recht. Hier ist dein Euro.“ Preise sind verhandelbar, nicht messbar. (Zumindest ist das in der Marktwirtschaft der Fall. Das heißt nicht, dass nicht Wirtschaftssysteme zumindest denkbar wären, die tatsächlich den physischen Aufwand messen und einbeziehen, um Dinge zu produzieren und zu verteilen…)

Wenn also kein innerer Wert existiert, so ist der Wert eines Wertpapiers immer nur der zuletzt zustande gekommene Preis. Wenn kein innerer, fairer Wert existiert, so kann auch keine Blase existieren, bei der der tatsächliche Preis vom inneren Preis abweicht.



Nun kann man sicherlich Kursverläufe – Preisverläufe – beobachten und im Nachhinein konstatieren, dass der Verlauf eine Blase dargestellt hat. Nach einer Phase des langsamen Wachstums beschleunigte sich dieses. Der Preis stieg sehr schnell an, nur um daraufhin noch schneller wieder zu fallen. Das Einzige, was daran immer überraschend ist, ist dass das Leute immer noch überraschen kann. Man muss sich fragen, ob eine solche Wachstumskurve nicht eher die Norm darstellt, als die Ausnahme. Auf sämtlichen Märkten konnte in der Vergangenheit schon so ein Wachstum beobachtet werden. Wenn ein Preis beginnt, stark zu steigen, dann kann man eigentlich mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass er auch wieder stark fallen wird. Das liegt sicherlich daran, dass in der Marktwirtschaft oft pyramidenspielartige Bewegungen ablaufen. Man kauft etwas, weil man Erträge dadurch haben möchte. Man kann jedoch nur einen Ertrag damit erzielen, wenn man jemanden findet, der es teurer abkauft. Das ist bei Aktien so und bei Gold genauso. Der Käufer kauft es zum teureren Preis und sucht dann selber einen Nachkäufer. Das geht so lange gut, bis sich niemand mehr finden lässt. Dann „platzt die Blase“. Lässt sich überhaupt kein Käufer mehr finden, so ist das Ding wertlos. Es gibt niemanden mehr, der ihm Wert zuschreiben würde. Die traurige Erfahrung musste jeder in der Schule schon machen, der ernsthaft mal versucht hat, die ach-so-wertvollen Sammel-Basketballkarten tatsächlich zu verkaufen.

Wenn ich also bei diesem Spiel mitmache, dass ich überschüssiges Geld nicht dazu verwende, um zu konsumieren, sondern versuche, mein „Geld für mich arbeiten zu lassen“ – die ureigenste kapitalistische Angelegenheit – so muss ich damit rechnen, dass Preis irgendwann auch wieder fallen und „Blasen platzen“. Doch das ist weder etwas Außergewöhnliches, noch hat es mit einem objektiven, fairen oder inneren Wert zu tun.

Auf weisen Wegen in Nepal

Auf einem dreiwöchigen Trekking-Trip durch Nepal können einige Weisheiten zutage kommen. Durch das lange kontemplative Dahingehen scheinen einfache Tipps auf einmal auch tiefgründige Bedeutungen erlangen zu können. Ist nicht das ganze Leben eine lange Wanderung? Folgende Dinge habe ich bei meiner kürzlich durchgeführten Annapurna-Umrundung erfahren. Manches davon kann man auch im täglichen Leben anwenden!

1. Drückt der Schuh, dann tue etwas dagegen! Sonst wird es meist noch schlimmer!


Der Weg zwischen Thorung Phedi und High Camp


2. Es ist manchmal verblüffend, wie viel man an einem Tag schaffen kann!



Blick vom Poon Hill
 3. Es kann sinnvoll sein, ein fixes Ziel vor Augen zu haben und darauf zuzusteuern. Hast du es erreicht, so feiere! Mache Pause! Dann suche ein neues Ziel!



4. Auch wenn du den Weg zu deinem Ziel nicht genau kennst: Du wirst ihn finden und kennenlernen!

Brücke auf über 4000 Metern


5. Keine Angst vor den Menschen! Wenn du etwas wissen möchtest, dann frage! Wenn dich jemand ansieht, dann grüße ihn!

Wanna smoke something, my friend?
6. Man gewöhnt sich schnell an neue Situationen. An kalte Duschen zum Beispiel. Oder an 10 Kilo mehr am Rücken.

Gebetsmühlen


7. Besser eine schnelle, zweitklassige Entscheidung treffen, als eine langsame und drittklassige! Vermeide langes Hin- und Her. Triff eine Entscheidung, zieh sie durch und steh dazu!

Das Flussbett hinter Jomsom


8. Die Liebe zu den Bergen ist die reinste!

Gletscher der Gangapurna

Auf dem Weg zum Annapurna Base Camp

9. Für viele scheint das Ziel viel mehr zu gelten als der Weg dorthin. Ins Annapurna Base Camp und das so schnell wie möglich. Nur nicht stehenbleiben. Keinen Blick für die Details am Wegrand. Nur das Ergebnis zählt. So schnell wie möglich. Und vor allem schneller als die anderen! Immer im Wettbewerb. „Wie schnell warst du? Wann und wo bist du gestartet? Wie lange braucht man dahin?“ Nicht: „Wie schön ist es dort? Hast du den Weg genossen?“ Alle laufen um die Wette den Berg rauf und runter. Nur um einmal da gewesen zu sein. Um es erzählen zu können. Chinesen, Amerikaner, Holländer, Deutsche, Japaner. Ich genauso. Was für ein verrücktes Bild für unsere Zeit.

Bei Hongde

10. Genereller Gedanke beim Anblick der Armut: Vielleicht ist Düringers Weg falsch. Vielleicht, und ich sage vielleicht, ist der Weg zurück, aus den Systemen heraus, nicht der richtige. Vielleicht sollten wir doch nach vorne. Aber auf eine andere Art. Eventuell hat doch Eisenstein Recht, wenn er meint, dass der bisherige Weg wichtig war. Das wir nicht zurück in die Steinzeit sollten, sondern schon nach vorne gehen, fortschrittlich sein. Aber anders als bisher?! Fortschritt wohin? Lebensstandard weiter heben? Noch stärkere Vernetzung?

Beim Anblick des einfachen Lebens hier scheinen unsere Lippenbekenntnisse zu einem einfacherem Leben als falsch, als verklärt. Wir träumen vom einfachen Leben und vergönnen den Armen den Aufstieg. Wir vergöttern die Armut und verdammen unseren Fortschritt. Das ist Sozialromantik pur. Wir wollen in Wirklichkeit nicht in die Armut. Wir sollten auch nicht dorthin. Wir müssen den Spagat schaffen: Fortschritt und Fortbestehen. Reichtum und Nachhaltigkeit!

Straße in Kathmandu
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