Geschenksökonomie - Vortrag [Video]

Wer mein Buch "Geschenksökonomie" nicht extra lesen möchte, kann sich nun auf Youtube meinen Vortrag über den Inhalt des Buches ansehen! Der Vortrag fand im Rahmen des Symposiums "Schenken/Teilen/Beitragen" am 20.12.2013 zusammen mit Thomas Herzig statt. Die Videos der anderen Vorträge kann man zusätzlich in diesem Channel ansehen!

Viel Spaß!


Ich bin Bitcoin-Währungsspekulant...

Ich bin Währungsspekulant, ich gebe es zu.

In vorherigen Blogposts beschrieb ich, wie ich auf Bitcoin stieß und wie ich reflektierend darauf kam, dass ich eigentlich bereits Währungsspekulant war. Der Blogpost endete mit „to be continued…“. Diese Fortsetzung möchte ich hiermit nachbringen. Was ist seit 2011 passiert? 


Der Stand vom letzten Post im Jahr 2011 war, dass ich 50 Euro, also 70 Dollar, in Bitcoin auf Mt.Gox investiert und 1 Bitcoin dann bei mir lokal auf den Computer gespeichert hatte. Der Kurs war damals auf 15 Dollar pro Bitcoin. Die weitere Odyssee lief wie folgt ab:

  • Mein Computer ging zunächst ein. Das eine Bitcoin war für immer verloren. Ich schloss damals mit Bitcoin ab und vergaß sogar mein Passwort für Mt.Gox.
  • Im Jahr 2013 hörte ich dann immer mehr davon. Ein Freund erzählte mir, er hätte auf Bitcoin-24.com investiert. Da ich gerade etwas Geld beiseite hatte, registrierte ich mich dort und investierte nochmals 150 Euro. Ich hatte also bis zu diesem Tag 200€ in Bitcoin investiert. Das war ungefähr im April 2013, als der Preis für ein Bitcoin bei ungefähr 40 Euro lag.
  • Ich spendete mittels Bitcoin einen kleinen Betrag an Gimp, weil ich das Programm herunterlud und sah, dass man mit Bitcoin spenden konnte.
  • Dann sperrten die polnischen Behörden die Seite Bitcoin-24.com. Der offizielle Grund war Geldwäscheverdacht. Glücklicherweise hatte ich gerade beinahe alles (bis auf 25 Euro) in Bitcoin dort liegen und Bitcoin-Auszahlungen waren noch möglich. Ja, Behörden können so etwas offenbar machen, ohne den entstandenen Schaden ersetzen zu müssen. Auch wenn ich dort kein Geld wusch.
  • Ich erinnerte mich wieder an den Mt.Gox-Zugang. Innerhalb 10 Minuten hatte ich die Bitcoin von Bitcoin-24 auf Mt.Gox überwiesen. Ich hatte also noch um die 3 Bitcoin auf der japanischen Börse.
  • Es folgte ein starker Kursanstieg. Bitcoin durchbrach die 1.200 Dollar-Marke. Ich hatte auf dem Weg nach oben immer mehr Bitcoin-Teile verkauft. Doch wie das Geld auszahlen? Bei jeder Börse musste man sich auf einmal mit Pass verifizieren und Mt.Gox meinte, das würde Wochen dauern. Die internationalen Behörden hatten also die Anonymität der Währung beinahe unmöglich gemacht alleine dadurch, dass man sich an den großen Börsen mittels Name und Pass verifizieren muss. Wenn du Ein- und Ausgänge kontrollierst, kannst du auch die Währung kontrollieren.
  • Ich meldete mich bei der deutschen Börse Bitcoin.de an, weil da die Verifizierung schneller ging. Ich transferierte einen Teil der Bitcoin an Bitcoin.de.
  • Als Bitcoin bei 538 Euro stand, verkaufte ich über Bitcoin.de 0,5 BTC entgültig gegen Euros, hatte also kurz darauf 267 Euro auf meinem Konto.
  • Damit hatte ich die 200 Euro, die ich insgesamt jemals eingezahlt hatte, plus 67 Euro Ertrag wieder herausgeholt aus der Bitcoin-Spekulation. Ich besaß jedoch weiters noch 2,5 Bitcoin und 800 Dollar bei Mt.Gox.
  • Ich machte einen Account bei Vircurex.com auf. 300 Dollar wandelte ich bei Mt.Gox in Bitcoin um und überwies sie innerhalb von Minuten auf Vircurex. Ich kaufte darum: 11 Anoncoin, 130.000 Dogecoin, 178 Feathercoin, 2,5 Litecoin, 14 Peercoin, 127 Worldcoin.
  • Ich erfuhr, dass man sich auf Bitcoin-24.com 72% seines Geld-Guthabens auszahlen lassen kann, wenn man sich verifiziert. Da ich dort noch 25 Euro liegen hatte, konnte ich mir davon 18 Euro auszahlen lassen.

Fazit:

Ich habe also, wenn das Geld von Bitcoin-24 kommt, aus 200 Euro Investment im Jahr 2011

  • 285 Euro, schon auf meinem Konto
  • um die 420 Euro nach heutigen (06.01.2014) Kursen in Altcoins auf Vircurex, 
  • 1755 Euro in Bitcoins plus noch 500 Dollar (=374 Euro) auf Mt.Gox

im Jahr 2014 gemacht. Das sind momentan insgesamt um die 2.834 Euro. 1417% Zinsen in 2 Jahren oder 700% pro Jahr. Nicht schlecht, verglichen mit dem Sparbuch.

Mir ist bewusst, dass das abgesehen von der kleinen Spende, reine Währungsspekulation ist. Und mir ist bewusst, dass so mancher Bitcoin nicht als Währung bezeichnen würde. Ja, mir ist auch bewusst, dass diese Währungen enorm viel Energie brauchen, die man sicher intelligenter einsetzen könnte. Ebenso ist mir bewusst, dass ich mit dieser Spekulation die Welt um keinen Deut besser mache.

Ich bin Währungsspekulant, ich gebe es zu.

Amazon: Der Kreis schließt sich

Schauen wir uns zu Beginn die Chronologie einer tragischen Geschichte an:
  • Alles beginnt, wie eine ARD-Doku die Arbeitsbedingungen bei Amazon aufzeigt:



Diese Doku legt dar, wie mit den Mitarbeitern umgegangen wird. Es wird in ihre Privatsphäre eingedrungen, gesetzlich vorgeschriebene Standards werden mittels Leiharbeit umgangen und es werden Firmen als Aufpasser beauftragt, die Neonazis anstellen.



Ich hatte bei diesen Meldungen schon längst die Geschäftsbeziehungen mit Amazon abgebrochen. Ich kaufe nichts mehr dort ein. Ich verwende keine Affiliate-Links mehr. Ich verkaufe meine Bücher nicht mehr über Amazon (außer da, wo ich noch vertraglich gebunden bin). Alle diese Infos habe ich auch über die sozialen Netzwerke unter meinen Freunden weiterverbreitet. Mit so einem Unternehmen wollte ich nicht zusammenarbeiten, geschweige denn dort einkaufen.
Doch dann kamen Infos, die den Kreis schlossen:
Diese beiden Informationen ließen mich nachdenklich und wütend zurück.

Denn die erste Meldung ließ für mich nur folgende Schlüsse zu:
  1. Entweder den Menschen war das Verhalten von Amazon egal.
  2. Oder sie konnten nicht von A auf B schließen.
  3. Oder sie hatten nie eine Zeitung aufgeschlagen und wussten nichts davon.

Ich weiß nicht, welcher bedenklicher ist.

Ich wurde ein wenig wütend. Wütend über die Leute, die sich über den Kapitalismus aufregten. Wütend über Leute, die sich über Burnout oder schlechte Arbeitsbedingungen beschwerten. Wütend über Leute, die über Ausbeutung jammerten. Denn wie kann man sich über etwas beschweren, das Ganze jedoch dann wieder durch die eigenen Handlungen unterstützen?! Mit jedem Euro, den wir ausgeben, entscheiden wir, wohin sich diese Welt dreht!

Liebe Leute! Man kann nicht an der Supermarktkassa als Dritter in der Reihe stehen und nach vorne rufen "Bitte eine neue Kassa aufmachen!" und sich gleichzeitig wundern, dass es in der Arbeit immer stressiger wird. Wie man in den Wald schreit, so hallt es zurück!
Man kann sich nicht über immer mehr Druck auf dem Arbeitsmarkt aufregen und trotzdem Konzerne wie Amazon belohnen, indem man ihnen Rekordumsätze beschert! Durch den Einkauf bei Amazon gibt man Amazon die Zustimmung, weiter so zu verfahren. Man zeigt ihnen, dass man ihre Geschäftspraktiken unterstützt.

Die meisten Menschen sehen offenbar den Zusammenhang nicht. Sie können nicht von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen. Sie können keine Trends weiterführen. Oder sie wollen nicht. Sie wollen keine Verantwortung übernehmen. Sie haben Angst vor der eigenen Veränderungsmacht.

Oder aber ihnen gefällt die Ausbeutung von sich und von anderen und das gleichzeitige Jammern darüber.

Aber vielleicht kann ich helfen und einmal den Trend weiterverfolgen, der aus obiger Meldung Nummer zwei folgt:

Denn die gute Nachricht lautet: bald werden gar keine Menschen mehr in den Lagern von Amazon arbeiten. Die Logistik wird komplett maschinisiert ablaufen. Jetzt also in die Lagerarbeiterbranche zu wechseln dürfte keine gute Idee sein. Dann werden jedoch auch noch die Drohnen kommen und unser Leben komplett umkrempeln. Die Drohnen werden den Paketdienst übernehmen und dort die Menschen ersetzen.



Wenn man also im Paketservicebereich arbeitet könnte man jetzt schon anfangen, sich umzuschulen. Denn der Arbeitsaufwand in der Branche wird überflüssig oder zumindest drastisch reduziert werden.
Durch die steigende Rechenleistung werden die Drohnen auf einmal universell einsetzbar. Man denke nur an eine Großbaustelle, auf der keine Menschen mehr arbeiten. Es gibt große Drohnen für das Heben schwerer Teile. Kleine Schweißdrohnen verbinden Metalle. Andere schrauben Fenster an die Fassade. Über kurz oder lang wird es komplett maschinisierte Baustellen geben, die komplett menschenlos ablaufen. Die Hochhäuser in wenigen Tagen komplett errichten.

Natürlich kann es auch ganz anders kommen. Der Dollar oder der Euro könnte crashen und eine richtige Weltwirtschaftskrise auslösen. Oder es fliegt ein Atomkraftwerk in Frankreich und/oder Deutschland in die Luft. Auch nicht ganz unwahrscheinliche Szenarien. Dennoch denke ich, dass die Maschinisierung nicht halt machen wird. So sollte man sich auch auf dieses Szenario vorbereiten.

Technologie setzt sich einfach immer schneller durch. Wie lange dauerte es, bis jeder in Österreich ein Handy hatte? Fünf Jahre? Wie lange, um vom Handy aufs Smartphone umzusteigen? Ein Jahr?! Was werden wir in einem Jahr haben? In zwei oder drei?

Die gute Nachricht ist, dass man vor dieser Maschinisierung keine Angst zu haben braucht. Wir sollten nicht wie die Maschinenstürmer der industriellen Revolution reagieren. Auf lange Sicht kann man es als Positiv bewerten, wenn uns Maschinen die Arbeit abnehmen. Wenn eine Maschine billiger als der Mensch arbeiten kann, so ist die Folge, dass auch die Produkte billiger werden. Das ist ja der Grund, weshalb die Leute so gerne bei Amazon einkaufen. Weil es billiger ist. Wenn also ein Haus mittels Drohnen schneller gebaut wird, so werden Häuser einfach billiger.

Unser materieller Wohlstand beruht meines Ermessens ja darauf, dass uns Maschinen so viel Arbeit abnehmen können. Er beruht also auch darauf, dass in der Vergangenheit der Job von jemandem ersetzt wurde durch eine Maschine. Und offensichtlich wollen wir diesen Fortschritt und diesen materiellen Wohlstand. Sonst würden wir nicht wie verrückt einkaufen.

Also schließt sich der Kreis:
So gesehen sollte man sich nicht wundern, wenn es immer stressiger im Job wird. Und man sollte sich nicht wundern, wenn man plötzlich durch eine Maschine ersetzt wird. Denn früher oder später wird das passieren. Was bleibt ist die Frage, wie man darauf reagiert. Und wie man das Verteilungsproblem löst. Aber auch dazu gibt es Lösungsansätze. Man muss sich nur informieren und dementsprechend handeln.
Creative Commons Lizenzvertrag
Diese(s) Werk bzw. Inhalt von Patrick Seabird steht unter einer Creative Commons Attribution 3.0 Unported Lizenz.