Geldsystemkritik-Kritik

Prolog

In einer Folge der zweiten Staffel der TV-Serie Dexter verwirrt der Serienkiller die Polizei, indem er ihnen ein Manifest schickt. Das Schreiben ist kompliziert und voll von literarischen Anspielungen. Die Polizeit grübelt und streitet über das Schriftstück daraufhin lange und verliert viel Zeit, um den Mörder zu schnappen. Sie streiten so lange, bis ein FBI-Agent aufsteht und sagt: "Genau das will er. Er will, dass wir streiten!"

Ähnlich kommt es mir manchmal in der Geldsystem-Diskussion vor.

Die Geldsystemkritik

Wie meine treuen Leser wissen, war ich sehr lange Geldsystemkritiker. Meine beiden Diplomarbeiten ließen meine damaligen Erkenntnisse über das Geld in den volkswirtschaftlichen Diskurs einfließen.
Damals dachte ich, ich hätte alles verstanden. Doch kaum glaubt man, alles zu wissen, kommt in komplizierten Worten eine neue Theorie daher, die alles wieder über den Haufen wirft.

Von der Verschwörungstheorie zum Allgemeingut

Als ich meinen Blog im Jahr 2008 startete, war die Geldschöpfungstheorie der Banken noch Verschwörungstheorie. Erst als der Universitätsprofessor Franz Hörmann in einem Interview im Standard 2010 öffentlich darüber sprach, wurde es langsam akzeptiert. Auch ich habe damals einen Blogpost über ihn verfasst. (Mittlerweile ist Hörmann ein wenig abgedriftet, indem er zum Beispiel Betrugsmodelle wie das Auftriebskraftwerk bewirbt).

Seit damals ist es zum Allgemeingut geworden, dass Banken Geld aus dem Nichts schöpfen können. Dies schien eine der Hauptursachen für Krisen zu sein. Insbesondere die Geldschöpfung mit den damit verbundenen Zinsversprechungen schien ein Problem zu sein.

So weit, so gut.
Doch dann wurden andere Stimmen laut...

Der fehlende Zins ist doch kein Problem

Im Jahr 2012 schrieben einige, dass der fehlende Zins nicht die Ursache für die Probleme ausgehend vom Geldsystem sein könnte. Ich berichtete.

Geld sollte Gold sein

Auf einmal traten neue Vertreter der Österreichischen Schule auf den Plan. Sie bezeichnen sich entweder als Libertäre, Kapitalisten oder auch Voluntaristen.
Sie nutzten die Gunst der Stunde und die moderene Kritik am Giralgeldsystem, um ihre Ideen zu verbreiten.
Im schlechtesten Fall vertreten sie die Meinung, dass nur Gold echtes Geld ist (sehr praktisch, Goldbarren um die Welt zu karren...). Im besseren Fall vertreten sie die Meinung von Hayek, dass es einfach kein Geldmonopol geben sollte und der Markt die beste Geldform findet.

Ein spannender Vertreter ist hier zum Beispiel der Journalist Nikolaus Jilch, der sehr viele Wirtschaftsartikel für die Tageszeitung "Die Presse" schreibt. 
Auch Oliver Janich tat sich hier in einigen Diskussionen hervor. Seine Thesen habe ich alle bereits innerhalb des Systems der Österreichischen Schule widerlegt (Siehe bspw. hier), auch wenn er das nicht wahrhaben will.

Die Österreicher brachten zwar nicht Verwirrung bezüglich der Geldschöpfung, aber sie nutzten den Zeitgeist, um ihre teils sehr extremen Meinungen zum Thema Wirtschaft zu verbreiten.

Die Innes-Fraktion

Und dann kam auf einmal die, wie ich sie nennen möchte, Innes-Fraktion.
Die Innes-Fraktion stimmt prinzipiell dem zu, dass Banken Geld aus dem Nichts schöpfen. Dies sei jedoch nicht schlecht oder unfair. Die Aufregung darüber schreiben sie einem falschen Geldverständnis zu. Für sie ist die Geldsystemkritik meist basierend auf der Idee, Geld wäre etwas wie ein Ding. Die Innes-Fraktion geht jedoch davon aus, dass Geld immer auf Schuld-Guthaben-Beziehungen basiert.

In a nutshell: Schulden entstehen durch Kaufen und Verkaufen. Produktion braucht Zeit. Diese beiden Aspekte bedeuten, dass man Geld braucht, welches immer Schulden auf der einen und Guthaben auf der anderen Seite darstellt. Banken sind die Institutionen, die dies unterstützen. Wenn Geld nicht auf Schulden und Guthaben aufbaut, so sind das sinnlose Zettel, die nicht funktionieren.

Ich nenne sie die Innes-Fraktion, weil diese Theorie sehr früh von Alfred Mitchell Innes vertreten wurde.
Andere Vertreter wäre hier zum Beispiel der Autor Felix Martin in seinem Buch "Geld, die wahre Geschichte" (Siehe auch Wikipedia!). Auf Facebook tut sich hier Joachim Weiß (dürfte ein Pseudonym sein, ist unter mehreren Namen unterwegs) hervor, der sich leider durch seine polemischen Äußerungen in seriösen Diskussionen schnell selbst diskreditiert und zu lange Texte schreibt. Einen Text von ihm findet man z.B. hier.
Weiters zu erwähnen wäre Jörg Buschbeck, der unter http://guthabenbremse.de/ seine an Innes und Stützel angelehnten Theorien verbreitet. Und natürlich Paul C. Martin mit seinem Debitismus.

Die große Verwirrung 

Diese und andere Theorien haben die letzten Jahre wieder spannend gemacht. In den Foren und auf Facebook treffen die modernen Vertreter hitzig diskutierend gegeneinander auf. Es gibt wenige, die auch methodisch etwas beizutragen haben. Auch die Kommunisten (pdf) bringen ihre Theorien auf neue und spannende Weise ein. Fundementalisten trifft man überall.

Zur allgemeinen Erkenntnis hat das alles wenig beigetragen. Manche Dinge wurden aus meiner Sicht gelöst, andere verkompliziert. Die Rätsel des Geldes sind offenbar noch lange nicht gelöst.

Ich für meinen Teil bin mit meiner Kritik sehr vorsichtig geworden. Allzu oft hängt man an Theorien, die sich dann als doch nicht so stichhaltig erweisen. Manchmal macht man gefährliche Vorschläge.

Epilog

Aber um zur Einleitung zurück zu kommen:
Vielleicht will er genau das. Vielleicht will er, dass wir streiten! 

Dann stellt sich jedoch die Frage: Wer ist er?!

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